Ein Familienmitglied auf vier Reifen

Der Kult um die Ente lebt: 120 Freunde des "2 CV" treffen sich in Oberneuland

Von unserem Mitarbeiter Lutz Rode
Bremen. "Es gibt, kein schlechtes Wetter, sondern nur die . falsche Kleidung." Wer glaubte, nur eingefleischte Radler würden dieses Motto beherzigen, muß ein wenig umdenken: Auch dem Enten-Fahrer ist eine solche Einstellung durchaus nicht fremd. Denn irgendwo tröpfelt es bei Regen ins legendäre französische Gefährt immer hinein - wogegen es sich zu schützen gilt. Wer mehr über die Weltanschauungen von Enten-Fahrern, aber auch Einzelheiten zum Kultfahrzeug selbst erfahren möchte, ist an
diesem Wochenende am Achterdieksee Oberneuland gut aufgehoben: Rund 120 Enten-Fans frönen dort ausgiebig der französischen Lebensart. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, aber auch solche aus Holland, Luxemburg oder Dänemark haben ihre Wohnwagen und Zelte auf einer Wiese direkt an der Franz-Schütte-Allee aufgestellt.
Die schönsten Enten
Ob nun als "Planwagen" oder als Original aus den fünfziger Jahren: Beim "2 CV-Treffen" in Oberneuland sind die Kultfahrzeuge aus Frankreich in allen Variationen zu sehen.
Foto: Martin Rospek

"Kontaktfreudig, reiselustig, tolerant und ausgesprochen familienfreundlich" - umreißt Mitorganisator Ingo Bauer von den "2 CV-Freunden Bremen" die typischen Eigenschaften eines Menschen, der eine gummibereifte Ente sein eigen nennt. Die Charaktermerkmale des Citroens selbst sind da schon etwas schwieriger auf den Punkt zu bringen: "Die Konstruktion ist genial einfach. Um die Ente auseinanderrnehmen zu können, reicht einfaches Werkzeug", heißt es unter anderem. Wer in Gegenwart eines Enten-Fans den "2 CV" schlicht als Auto bezeichnet, wird höflich, aber bestimmt darüber aufgeklärt, daß dies nun so nicht stimme: "Die Ente ist kein Auto, sie ist ein echtes Familienmitglied. Wenn sie mal nicht so recht laufen will, heißt es schon mal, sie sei krank". Enten in allen Formen, Variationen und fast jeden Baujahrs sind in Obeneuland zu entdecken: Das hübsch restaurierte Gefährt aus dem Jahr 1953 mit "satten" neun Pferdestärken ist dabei, aber auch der Eigenbau in der Cabriolet-Ausführung fehlt nicht: "Diese Ente gibt es nur einmal auf der Welt", sagt Wolfgang Kleine-Depenbrok und klopft stolz auf das Verdeck des rot lackierten Gefährts. Rund fünf bis sechs Millionen Mal wurde die Ente weltweit verkauft, ehe die Produktion 1990 eingestellt wurde. "Für uns ist die Welt schon zusammengebrochen, als keine '16-PS-Motoren mehr eingebaut wurden', sagt Ingo Bauer. Der größte Schnitt sei 1970 mit dem Ende der Rundpedale erfolgt - da an, so erklärt der 2-CV-Spezialist, sei es mit der Qualität bergab gegangen..