Ente gut - alles gut
Seit vielen Jahren dreht sich bei den beiden Gesekern alles um dieses legendäre
Auto, von dem zwischen seiner Vorstellung auf dem Pariser Salon 1948 und
dem endgültigen Produktions-Ende 1992 fast drei Millionen Exemplare
vom Band liefen. Sie sind Stammgäste bei diversen Enten-Treffen im
In- und Ausland (sogar bei den großen Welttreffen alle zwei Jahre),
bilden den kreativen Kopf der "Duckwings", einem Club aus dem Raum Paderborn/Lippstadt,
und verbringen selbst ihren Urlaub mit beziehungsweise in ihren Fahrzeugen.
"Man liebt die Ente oder man hasst sie",
sagt Volker Geneiß. Er selbst habe sie von Anfang an geliebt; sogar
sein Mofa verkauft, um das damals und vielleicht bis heute ungewöhnlichste
aller Volumen-Fahrzeuge anschaffen zu können. Auch ein bisschen Protest
habe beim Kauf mitgespielt, erinnert sich der jetzt 34-Jährige. Protest
gegen die allzu geordnete Welt der Eltern und Erwachsenen.
Heute freilich ist aus dem Protest ein
reines Vergnügen geworden; besonders, wenn wieder eines der vielen
2CV-Treffen vor der Tür steht. "Das ist jedes Mal wie ein Familienfest.
Vom Kind bis zum 70-Jährigen ist alles dabei."
Die Ente war es auch, die Geneiß
und Bockholt zum Paar machte. Irgendwann teilten die beiden nicht nur ihr
Hobby, sondern auch den Schlafplatz in der roten 88er, die sich nach 250
000 Kilometern nahezu im Originalzustand befindet.
Wunderbar einfach
"Die Ente ist zwar nicht sonderlich robust, aber dafür wunderbar einfach
konstruiert", schwärmt Geneiß. "Jeder Dorfschrauber kann den
Wagen mit Hammer, Schraubenzieher und Schweißgerät wieder flott
machen." Zuletzt musste ein solcher Dorfschrauber in Island aktiv werden.
Vor vier Jahren bahnten sich Geneiß und Bockholt mit über 30
Enten aus Skandinavien, England, Frankreich, der Schweiz etc. einen Weg
über die Insel; mitten im Sommer bei zuweilen sechs Grad Außentemperatur
("Die Leute da haben uns für verrückt gehalten"). Irgendwann,
bei einem kleinen Crash, kriegte die Radaufhängung eine Delle. Die
Off-road-Qualitäten einer Ente sind halt doch begrenzt.
Neben der roten Ente, die den Part des
Brötchenhol- und Urlaubsautos übernimmt, steht ein wahres Schmuckstück
in der Garage: ein 1997 komplett neu aufgebautes Exemplar aus dem Jahr
1989. Für 2 000 Mark habe er das gebrauchte "Geflügel"-Fahrzeug
angeschafft, erzählt Geneiß. 10 000 Mark kosteten neuer Rahmen,
neue Türen, die neue Lackierung etc.
Die Duckwings haben sich als "loser Stammtisch"
vor sieben Jahren vom "Sauerländer Enten-Adel" abgespaltet, als es
dort zu Spannungen kam. Die wenigen, aber dafür umso begeisterten
Enten-Enthusiasten sind Mitglied im Citroen-Club Rhein-Ruhr (CCRR), dem
Dachverband der hiesigen Szene, und nach Worten von Geneiß mal mehr,
mal weniger aktiv. In diesem Jahr organisiert die Gruppe zum 6. Mal ein
Treffen in Wünnenberg-Haaren, zu dem rund 40 Fahrzeuge erwartet werden
(siehe Kasten rechts). Gäste bei befreundeten Clubs sind die Duckwings
nach wie vor, auch wenn nicht mehr - wie zu Spitzenzeiten - drei Treffen
an einem Wochenende auf dem Fahrplan stehen und die Motorhauben von "Fremdmarken"
mit dem einst obligatorischen Sahne-Doppelwinkel verziert werden.
Ein Lebensgefühl
Doch die Szene wird nicht nur ruhiger,
sondern auch kleiner. "Unsere Generation ist mit der Ente groß geworden.
Die jetzige erlebt sie mehr oder weniger als Oldtimer", weiß Geneiß.
Für ihn und seine Freundin ist und bleibt das Fahrzeug jedoch mehr
als ein Liebhaber-Objekt. Es ist schlicht Ausdruck eines Lebensgefühls.
"Ein Golf jedenfalls käme uns nicht ins Haus", meinen die beiden -
allenfalls als Enten-Schon-Auto.
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| Bekennende
Enten-Fahrer sind moderne Nomaden, sagen Volker Geneiß und Gabriela
Bockholt. Sie ziehen den ganzen Sommer hindurch von Treffen zu Treffen.
Der 2CV dient dabei als Transportmittel und Wohnstätte - und manchmal
auch als Schlafzimmer. Vom 28. bis 30. September sind die Duckwings Gastgeber
eines der vielen Familientreffen. An dem Wochenende laden sie, quasi zum
Saison-Ausklang, in eine malerisch gelegene Wanderhütte in Wünnenberg-Haaren
ein. Der Weg dorthin ist zum Beispiel ab Abfahrt Borchen/Etteln der A 33
durch den Citroen-Doppelwinkel ausgeschildert. Ein kleiner Teilemarkt und
eine längere Ausfahrt ins Grüne stehen an dem Samstag auf dem
Programm. Doch Mittelpunkt sind nicht die Autos, sondern das Gemeinschafts-Erlebnis,
betont Geneiß. Er nimmt unter Telefon 02942/ 78106 die Anmeldungen
für das 6. Treffen dieser Art entgegen. |
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