| Es gibt Typen, die muss man
ein-fach gern haben. Auch wenn sie auf den ersten Blick eher unchar-mant
wirken und sich beim ersten Kontakt ein wenig ruppig präsentie-ren.
Man muss und wird sie mögen, weil sie Ecken und Kanten haben, einen
starken, unverwechselbaren, sehr individuellen Charakter. Jean Gabin, der
große französische Schau-spieler gehörte zu diesen Typen.
Und sein automobiles Pendant, der Citroën ,,Type H" ebenso. Gabin war
bereits 43 Jahre alt und ein gefeierter Kinostar, als Citroën 1947 seinen
,,Camio-nette à Traction Avant 1200 kgs" präsentierte. Mit einem
markentypisch revolutionären Konzept, klar zuge-schnitten auf die Bedürfnisse
des Transportwesens im noch immer gebeutelten Nachkriegs-Frankreich. Der
Frontmotor und -antrieb von der legendären Limousine "Traction Avant",
eine selbsttragende Wellblech-Karosserie (leicht und dennoch verwindungssteif)
sowie eine platzsparende Einzelradaufhängung mit Drehstabfedern vorne
wie hinten machten die Raumökonomie, sprich: einen nur 35 Zentimetern
hohen, 2,44 m langen, ebenen Laderaum erst möglich. Die Vorgaben dazu
hatte der Type H, wie er dann zum Serienanlauf am 1. Juni 1948 offiziell
genannt wurde (den oft fälschlich gebrauchten Zusatz ,,Y" bekam er später),
von seinem 1938 vorgestellten Ahnen ,,TUB"("Traction Utilitaire Basse" 850
kg Nutzlast) geerbt: Viel Raum auf geringer Verkehrs-fläche, leicht
zugänglich über eine Schiebetüre auf der rechten Seite sowie
eine dreiteilige Kombination aus Hecktüren und -klappe. Neben dem so
konzipierten, standardmäßig 4,26 m kurzen Kastenwagen gab's ab
Werk noch eine Variante mit Pritsche sowie ein offenes Fahrerhaus mit nacktem
Chassis für die zahlreichen Spezial-Karosserie-Betriebe. Und die hatten
vor allem in den Fünfziger- und Sechzigerjahren alle Hände voll
zu tun, die individuellen Bedürfnisse der Kleinspediteure, Handwerker
und Kommu-nen zu erfüllen. So entstanden unzäh-lige Versionen:
vom Kombi über Minibus, Verkaufswagen, Werbemobil oder Einsatzfahrzeug
für Gendarmerie, Feuerwehr oder Krankentransport; letztere gar mit Lastenausgleich
schaffender Hydropneumatik hinten. Das Werk unterstützte den Trend zur
nützlichen Individualisierung in Form von Chassis-Varianten mit längerem
Überhang und um bis zu 1,40 Meter |
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| Falten prägen das Charaktergesicht:
Früher Type H |
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| Zu seinen Lebzeiten (1948 bis 1981,
473.289 Stuck gebaut, unter anderem auch in Portugal und Holland) war er
eine legendäre Rarität in Deutschland. Erst heute begeistern sich
hierzu Lande immer mehr Frankophile für den rauhen Charme des Type H,
der vor allem in der Nutzlastausführung
"HY" Kult geworden ist. Die Fans und Besitzer der wenigen rollenden Modelle
dürfen sich unter das Dach des André Citroën Club (Tel.
06131/41818, www.andre-citroen-club.de)
kuscheln, daneben gibt es die Landesbezirke des Citroën-Veteranen-Club-Deutschland
e.V. (Infos unter www.cvc-club.de).
Speziell an die H-Fans wendet sich die Interessengemeinschaft HY" mit rund
30 Mitgliedern in Deutschland und der Schweiz (Konaktadresse: Beatrice und
Dölf Reichen, Weiherhofstr. 49, CH-4415 Lausen, Tel. 0041/61/9215713).
Wer des Holländischen mächtig ist klickt auf: www.le-camion.nl
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gestreckten, unterschiedlichen Rad-ständen,
vielfältigen Nutzlasten (HZ: 850-1000 kg; H: 1200 kg; HY: 1500-1600 kg)
sowie verhaltnismäßig öko-nomischen Benzin- und Dieselmotoren
(von 1,6 über 1,9 bis zu 2,0 Liter, 42 bis 58 PS) hinter der kantig-markanten
Motorhaube. Technischer Standard über die 34 Jahre Produktion hinweg
nur leicht modifiziert blieb das teilsyn-chronisierte Dreigang-Schaltgetriebe.
Dass die Type H-Baureihe auch im hohen Alter noch immer aktuell wirkte, lag
wohl an der behutsamen Modell-kosmetik, die Citroen betrieb: Äußer-lich
gravierend war eigentlich nur der Wechsel von der geteilten zur durchge-henden
Frontscheibe anno 1964. Die Zeichnung mit der Neugestaltung des Charaktergesichts,
die unter anderem eine breitere Kühlermaske und recht-eckige, integrierte
Scheinwerfer vor-sah, blieb dagegen in der Schublade. Ein Jean Gabin mit
komplett neu-em, gar glattem Gesicht? Niemals! • |
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Originalbericht
als PDF-Datei |
©VOILÀ - Citroën-Magazin
4/2001 |
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