|
News und Stories:
12.02.2000 Ein Bericht von Oles Freund Harry, seines Zeichen einer seiner wichtigsten Wasserträger, zu Lensahn ´99:
Am 30. Juli 1999 startete der 8. Int. Lensahner Ultra Triathlon. Für Ole war es nach 1998 der zweite Start und, um es vorweg zu nehmen, auch das zweite Finish. Auf besonderen Wunsch von Ole habe ich mich belatschern lassen, diesen Bericht zu schreiben. Nachdem mir nämlich zu Ohren gekommen war, daß nach dem letzten Triple-Ultra-Triathlon Vereinskameraden versuchten die Leistung ins Lächerliche zu ziehen, wollte ich eigentlich nichts schreiben. Denn eines wollen wir uns doch vielleicht mal vor Augen führen, alleine das Beenden eines Wettkampfes über diese Distanzen und zwar im Zeitlimit, ist eine gigantische Leistung, an der jedes Jahr wieder Top Athleten scheitern. Noch mal zum auf der Zunge zergehen lassen: 11,4 km schwimmen (ca. von Halensee nach Britz), 540 km Radfahren (Berlin - Bayern), 126,6 km laufen (Berlin - Perleberg) und das alles in max. 58 Stunden.
So nun fängts los. Aus dem 98er Wettkampf hatten wir Erfahrungen ziehen können, die sowohl Ole als Athlet als auch uns, dem Betreuerteam, nun halfen. Die wichtigste, das nur ein gesunder Geist im gesunden Körper gute Leistungen erbringen kann, setzte Ole durch positiven Abschluß seines Studiums und ordentliches Training, um. Im Gegensatz zu 98 wo allein das Ankommen Prämisse war, sollte nun ja auch eine gute Plazierung (min. Top-Ten) herausspringen.
Pünktlich um 7:00 Uhr Ortszeit machten sich die Athleten, in ihren schmucken Präsern auf den Weg nach Britz. Ohne größere Vorkommnisse verließ Ole nach gut 3 Stunden, auf Platz 2, das Wasser. Nervös wie ein Rennpferd, legte er einen Wechsel hin wie beim Sprint-Tria.
Wolle hatte in der Zwischenzeit ein Handy mit Ohrhörer an seinem Rad befestigt, womit wir die Möglichkeit hatten Ole jederzeit zu kontakten. Auch Egles Auftrag ein Talisbärchen an Oles Rad zu befestigen wurde erfüllt. (Mit Kabelbinder und weit gegrätschten Beinen in Rückenlage auf dem Vorbau. Ein Schelm wer ferkeliges dabei denkt) Ole bestieg also seine Maschine und kurbelte wie blöde. Der Blitzwechsel und die Raserei dienten der Egobefriedigung. Er wollte einmal das erlesene Starterfeld anführen. Entgegen meiner Empfehlung fuhr er weiter Schnitte deutlich über 30 km/h und schaffte es tatsächlich in der achten von 56 Runden (und nur in dieser) den Spitzenplatz einzunehmen. Das hatte natürlich reichlich Körner gekostet denn der Schweizer Beat Knechtle war 10 Minuten vor Ole auf dem Rad und der Engländer Jules Taylor nur 4 Minuten nach ihm aus dem Wasser gekommen. Beide sind absolut begnadete Radfahrer. (Radzeit gesamt: Beat Knechtle = 19:15 Std. Jules Taylor = 18:46 Std.!!) Nachdem Oles Ehrgeiz befriedigt war hielt er sich nun an den Fahrplan und ließ sich, Stück für Stück bis zum Ende des Radrennens auf Platz 8 durchreichen.
Die Radrunde war zum vorigen Jahr verkürzt und umgebaut worden und durfte nun erst Nachts mit Begleitautos befahren werden. Hier stach unser neuer Trumpf. Wir hatten einen kleinen Motorroller dabei, der natürlich jederzeit auf die Strecke durfte und konnten so Ole permanent betreuen. Am Roller waren zwei Ersatzlaufräder befestigt und im Topcase die Minibar. Auch die Sache mit dem Handy war absolut genial. Wieder einmal waren die Berliner dem Rest der Welt eine Nasenlänge voraus. Ole telefonierte mit Gott und der Welt. Ich glaube das Radfahren störte nur ganz wenig beim telefonieren. Ganz speziell in der Nacht wenn nicht nur alle Katzen grau sind, sondern auch die Müdigkeit in die Muskeln und die Knochen kriecht, ist jede Abwechslung recht. Hier kann Ole sich noch einmal bei den Kameraden bedanken die ihn, ohne Rücksicht auf Telefonkosten, von Berlin und München mit Musik und Sprüchen bei Laune hielten. Trotzdem plötzlich ist er da, der tote Punkt, also Zeit für unseren Kreuz Buben, Daniel Düsentrieb (Wolle) der nun Ole nicht mehr von der Seite wich. Unentwegt wurde gequatscht und sogar die Brötchen getauscht (Käse gegen Salami). Die Sonne kam langsam aber kräftig und der tote Punkt war überwunden. Die Strecke näherte sich dem Ende und auch ich bewegte mal wieder meine Rennmaschine. Ole erzählte mir dies und das über Litauen und ganz allmählich wurde der Schnitt besser und plötzlich, ganz unerwartet war sie da: Die letzte Runde, man verabschiedet und bedankt sich bei den Streckenposten (die sind wirklich hart) und fährt dann unter großem Beifall in die Wechselzone.
Nun wird’s wieder hektisch. Ole will sofort auf die Laufstrecke und den geplanten längeren Stopp erst später durchführen. Er fühlt sich gut und will die Pause so weit wie möglich nach hinten schieben. Neues erklärtes und auch real nach dem Verlauf erreichbares Ziel: Top 5. Neue Strategie: Keine längere Pause mehr nur noch Kurzschlaf, Essen und Kleidung/Schuhwechsel. Nun denn, es sieht alles ganz gut aus. Kein Vergleich zum Vorjahr, da blockierten verkorkste Klausuren die Motivation. Damals mußte ich Ole mit allen mir zur Verfügung stehenden Überredungskünsten über einige tote Punkte beten. Diesmal muß ich ihn einbremsen denn auf den ersten folgen ja bekanntlich noch zwei weitere Marathons. Insgesamt sind 96 Laufrunden zu absolvieren. Was zunächst wie ödes Kreislaufen auf der Kurzstrecke anmutet, entpuppt sich als durchaus sinnvoll. Man kann viel besser planen z. B. Noch 2 Runden dann kleine Pause mit Schuhwechsel und Fünf-Minuten-Terrine (noch ne Geheimwaffe).
Bis Runde 44 verschieben sich die Positionen laufend. Durch eigene und die Pausen der Anderen ist Ole mal auf Pos 5 (Runde 37 u. 38) und dann 6 - 7 und in der 44. Runde wieder auf 8 wie beim Wechsel. Unsere Jutta (zwischenzeitlich Frau Liere geworden aber noch immer Goldschuh-Jutta), wollte eigentlich nur den ersten und letzten Marathon begleiten, ist dann aber letztendlich doch wesentlich mehr mitgelaufen. Wo holt die Frau das her? Langsam zahlen sich unsere Strategie und das eingespielte Team aus. Durch die Vorjahreserfahrung konnte man die Ruhepausen des Teams viel besser koordinieren. Jetzt sind alle frisch und können ihre Aufgaben besser wahrnehmen als im letzten Jahr. Da waren die toten Punkte sozusagen kollektiv. Die Aufgaben? Na ja neben allgemeiner Motivation sind ja auch noch ein paar andere Dinge notwendig. Wer hat nicht schon die auf Dauer ekligen Energieriegel und Isodrinks auf Langstrecken verflucht. Also unsere Kantine (Edith) hatte eine Auswahl wie im Ritz anzubieten. Obst, Energieriegel, Terrinen in allen Geschmacksrichtungen, Süßigkeiten, Cola, Wasser, Isodrinks, Tee und Kartoffelstärke zum trinken (Igitt igitt aber wenn’s schee macht). Die Klamotten zum wechseln müssen bereit gelegt werden, die Beleuchtung fürs Rad hält auch nur immer max. 2 Stunden, ein kleines Fußbad zwischendurch und mal kurz mit einem nassen Tuch ein bißchen überwischen wecken wieder Lebensgeister. In der Endphase (die beginnt etwa Mitte des zweiten Marathon) müssen permanent die Zeiten kontrolliert werden. Wer kommt von hinten, wen könnte man vielleicht noch kriegen, wie entwickeln sich die Zeiten der anderen, wer hat den zweiten Wind und wer läßt nach? Wie gesagt, der Wettkampf begann bei Laufrunde 44.
Jetzt mußten die besseren Reserven und die richtige Einteilung entscheiden. Runde 45 = Platz 7, Runde 55 = Pl. 6, Runde 62 = Pl. 5. Das war das angestrebte Ergebnis aber aus unserer Box kommt der Hinweis, daß die beiden Athleten auf 3 und 4 mächtig kämpfen. Ole kämpft auch aber die Chance hier ein Traumergebnis einzufahren, motiviert zusätzlich.
Inzwischen liegt der Engländer Taylor völlig entkräftet im Massagezelt und schläft. Zuwenig gegessen und getrunken. Sein Team, Frau und Tochter, ebenfalls völlig erschöpft. Platz 1 nach dem Radfahren am Ende nur Platz 9. Und der Bäcker aus England ist stark. Bei einem Doppelten in Holland hatte er noch alle deklassiert. Dies war aber sein erster Dreifacher und der Unterschied ist schon dramatisch.
Guy Rossi, aus Frankreich, Ende 1998 in Mexiko Weltmeister über die Zehnfache Distanz versuchte mit kleinen Magneten, die er aufklebte, seine geschundenen Muskeln zu entkrampfen. Er konnte schließlich noch den 6. Platz retten.
Und Ole? Im hinteren, dunklen Teil der Runde wurde Schlittschuh gelaufen. D.h. warum die Beine heben wenn man auch so weiter kommt. Im unteren Teil, bei Start und Ziel, wo die beiden direkten Konkurrenten ihre Servicestelle hatten, da wurde natürlich mit Lächeln und rausgestreckter Brust, locker gelaufen. In Runde 72 war es dann soweit: Platz 4 und weiter geht’s, Runde 82 = Platz 3. Nun bloß nichts mehr anbrennen lassen. Ein kleines Sicherheitspolster schaffen (falls doch noch eine Pause nötig wird) und dann das Feld kontrollieren. Nach vorne geht ohnehin nichts mehr. Inzwischen mußten auch Benno, Kai, Wolle und Thomas, die im Zielraum zum Dienst am Bierglas abgestellt waren, ihre Jubeltätigkeit (immer wenn Ole vorbeikam) einstellen. Nach Mitternacht darf kein Krach mehr gemacht werden. Alle fiebern jetzt aber oben mit. Ständig kommen neue Infos über Abstände und Rundenzeiten. Ein kleines Aufbäumen von Georg Kunzfeld wird sofort gekontert. Weitere Angriffe werden nicht mehr gestartet und so läuft Ole mit 25 Minuten Vorsprung auf ihn, mitten in der Nacht, ins Ziel. Na Also, Platz 3 Gesamt, Platz 2 in der Männerwertung, bester Deutscher. Das Ergebnis wird kaum zu toppen sein, die Zeit ev. schon. Astrid Benöhr, Zweite der Gesamtwertung, und Profi-Triathletin hat’s vorgemacht. Keine Pausen, kein Schlaf, kein Kleiderwechsel und bei der Siegerehrung konnte man wunderschöne, Pingpongballgroße Blutblasen auf ihren Füßen bewundern. Gelobt sei was hart macht.
So zum Schluß noch ein Schmankerl.
Ein Ortsansässiger Geschäftsmann hatte für die ersten drei Athleten und ihre Crew Gutscheine für ein amerikanisches Frühstück in seinem Lokal “Chrome” ausgegeben. Ob er diesen Fehler noch einmal wiederholt bleibt abzuwarten. Er machte jedenfalls Gute Mine zur großen Crew und holte uns zur vereinbarten Zeit mit seinem Buick V8 Cabrio ab. Das Benno, Wolle und ich nur wie die Elfen essen sieht man ja schon an unseren spindeldürren Gestalten. Aber auch Ole, Kai und Thomas hatten überhaupt keine Probleme mit so einem amerikanischen Komplettfrühstück (Ham, Eggs, Pommes usw.) Der Sieger des Wettkampfes, Beat Knechtle, hatte mit Frau und Sohn sein Frühstück bereits vertilgt und fragte ob man denn nun schon ein Bier trinken könne. Tja also wir kennen uns mit den deutschen Gepflogenheiten auch nicht so aus aber wenn’s schmeckt kann man ja mal so eins-zwei-drei, also bis zum nächsten mal.
hawe (Harry Kindt)
11.02.2000: Die neudesignte Homepage wird in´s Netz gebracht...
. |