Teslin River und Yukon 2000

Kanada

Hallo Hans-Hermann

Der Herbst hat erneut hier im Norden von B.C. Einzug gehalten. Die Kraniche sind in den Süden gezogen, die Canada-Gänse machen sich ebenfalls für ihren weiten Weg bereit. Auch wir sind wieder zurück von unseren abenteuerlichen Reisen in den hohen Norden von Canada. Zwei unserer diesjährigen Touren führten uns auf die alten Pfade der Goldsucher. Wir konnten die Wasser des Teslin & Yukon Rivers befahren und somit - 100 Jahre später - im kleinen Rahmen nachvollziehen, was viele tausend Männer und ein paar wenige Frauen durchgemacht haben.

Die erste Tour startete gleich vor unsere Haustüre:

Mit Margreth Böhling, Sigfried Groddeck (Sigi genannt) und Anne erlebten wir tolle Ausfahrten auf wunderschöne Gewässer, gemütliche Stunden am wärmenden Lagerfeuer, kalte und heisse Bäder in den klaren Wassern des Nordens, Regen und Sonnenschein. Es war eine bunte Palette, von allem ein bisschen. Ausserdem wurden sie noch ganz kurz in die Kunst des Kanufahrens eingeführt, mit einer rasanten Fahrt auf dem obersten Teil des wilden Iskut-Rivers. Sie konnten zwar keine Beeren pflücken, dafür aber viele Bären sehen. Sogar eine Herde Stone-Sheep kreuzte unsere Wege. Nach einer aufregenden und wellenreichen Fahrt über den Marsh-Lake und dem Yukon Oberlauf war dann unsere gemeinsame Zeit mit Ankunft in Whitehorse vorbei.

Unsere anschliessende Tour auf dem Teslin River fing schon zwei Tage später an. Martin war bereits am Donnerstag zu uns gestossen, Euan traf am Samstagabend in Whitehorse ein. Hans holten wir am Sonntagmorgen vom Flughafen ab. Viel Zeit in Whitehorse haben wir dann nicht verloren, kauften noch Frischware ein und verschoben uns am Nachmittag zu unserem Input am Teslin Lake. Nach einer kurzen Umpackorgie fuhr unsere extra dafür organisierte Fahrerin Fahrzeug und Anhänger zurück nach Whitehorse, wo es für die nächsten 10 Tage eingestellt wurde. Anschliessend organisierten sich alle mal, richteten das Camp ein, schlugen erstmals ihre Zelte auf, packten dieses und jenes nochmals um und versuchten sich zurecht zu finden. Für einige war dies doch seit geraumer Zeit das erste Mal zelten und eher noch ungewohnt. Während die Crew (Anne als Steuerfrau, Kurt am Schlag, Hans, Euan im Maschinenraum und Martin im Bug als Mann für alle Fälle) bei einer kurzen Ausfahrt noch die letzten Einstellungen am Boot vornahmen, richtete ich die Küche ein, verpackte die letzten Lebensmittel - mehr oder weniger bärensicher- und kochte schon mal, da sich sicher der Hunger nach der kurzen Ausfahrt anmelden würde. Der lange Tag machte sich bemerkbar und der einsetzende Regen waren dafür verantwortlich, dass früh schlafen gegangen wurde. Die Fahrt über den Teslin Lake verlief ohne Zwischenfälle und wir campten an der Einmündung des Teslin Rivers. Eine freudige, erwartungsvolle Stimmung machte sich breit, war dies doch eine Erstbefahrung. Und es folgten wundervolle, spannende, geruhsame, abenteuerliche Tage. Die Landschaft war toll, das Wetter ebenfalls, die Ruderkilometer entsprechend gut, die Camps wunderschön gelegen, das Wasser kristallklar, die Strömung super und schnell, der Wein, das Bier und das Essen exzellent (auf jeden Fall gab es keine Resten), das frisch gebackene Brot immer viel zu schnell weg. Die Zeit verging wie im Flug (viel zu schnell als einheitliche Meinung aller Beteiligten) und schon waren wir in Carmacks am Ziel unserer Reise. Es muss vielleicht dazu gesagt werden, dass dieser Fluss eine sehr gute Mannschaft verlangt, welche sich auch aufs Karten lesen und entsprechendes Navigieren versteht. Die Hindernisse stehen unangemeldet im Wasser und sind nicht immer sichtbar (Kies- und Sandbänke, gestrandete Bäume usw.) und Seitenkanäle haben nicht immer schiffbare Ausgänge !!!! Die Strömung verlangte beim Anlegen ziemliche Disziplin, war aber nie ein Problem und die Mosquitos haben sich auch zurück gehalten.

Start

Beladen des Begleitbootes

Küchendienst einfachster Art

Sprung ins kühle Naß

Moose-Mutter mit Kalb

Happy End
Ja, und dann kam auch schon der Abschied von dieser tollen Mannschaft.

Die einen gehen, die anderen kommen gleichzeitg an: Die Crew vom Yukon River ! Trotz kurzfristiger Absage des befreundeten Ehepaares, wollten die Schtalheims an ihren Reiseplänen festhalten, ja sogar noch ausweiten und nun die Yukon-River Fahrt bis nach Dawson City durchziehen. Wir waren damit einverstanden und somit wurde der C-Gig Doppelvierer+ zu dritt gefahren. Anne wieder als Steuerfrau, Kurt am Schlag, Maggy im Maschinenraum und Alex im Bug. Ich durften erneut Material und Küche transportieren, Camps suchen usw. Diesmal kam noch die Aufgabe der Routenwahl dazu, d.h. ich blieb immer mehr oder weniger in Sichtweite, sodass Anne sich an meine Route orientieren konnte. Dies entlastete Kurt, da Anne noch nicht sehr erfahren im Karten lesen war. Dazu kam noch der Sicherheitsaspekt. Die Befahrung des Yukons entpuppte sich dann weitaus einfacher, als diejenige vom Teslin, jedoch nicht minder interessant, aber völlig unterschiedlich. Während der Teslin mit seiner wunderschönen Natur bestach, war der Yukon geschichtlich sehr, sehr interessant. Der Fluss führte ebenfalls durch eine schöne, abwechslungsreiche Landschaft. Die zwei Stromschnellen von Five-Finger und Rink gaben der ganzen Fahrt noch zusätzliche Würze. Wir campten meistens an irgendeiner historischen Stelle, teils mit alten verfallen Gebäude in der Nähe zu besichtigen. Irgendwie schien der Geist der Geschichte über die ganze Reise zu schweben, so jedenfalls haben einige von uns empfunden.
Der Yukon hatte eine tolle Strömung auf der ganzen Strecke. Dieses Jahr war - vor allem für's Camp suchen - erschwerend, dass er Hochwasser führte, d.h. einen der höchste Wasserstände überhaupt. Leider war das Wasser ab Carmacks ziemlich trüb und je weiter je trüber. Nach Fort Selkirk konnten wir nicht tiefer als 5 cm unter der Wasserfläche sehen. Hindernisse sahen wir nicht, die hörten wir dann, kamen aber ohne Zwischenfälle bestens durch. Der Fluss ist ein Leckerbissen auch für nicht so geübte Wanderruderer. Jedoch muss für die ganze Distanz eine gewisse Grundkondition vorhanden sein, auch wenn genug geschwemmt werden kann. Trotz der diesjährigen kühlen Witterung war es toll ! Tolle Mannschaft, tolles Boot, tolle Fahrt !

Am Schluss jeder dieser Fahrten waren wir einerseits froh, wieder ein weiches Bett und eine heisse Dusche geniessen zu können, jedoch wären wir am liebsten gleich wieder oben eingestiegen, konnten wir einfach nicht genug von diesen Fahrten bekommen. Ja, es war ein super Sommer, mit vielen neuen Eindrücken, neuen Erfahrungen und der Bestätigung, dass es doch geht und sogar noch Spass macht, auch wenn einige im Vorfeld nur der Kopf über unser Vorhaben geschüttelt haben. Wir sind jedoch überzeugt und stellen uns auch entsprechend darauf ein:

Jede dieser Fahrten, speziell die Flussfahrten, sind jedes Mal ein Abenteuer !

Tja, lieber Hans-Hermann, das war ein langer Brief aus Smithers. Der Winter steht nun schon vor der Tür, die umliegenden Berge haben erneut eine weisse Mütze (tief über beide Ohren) aufgesetzt bekommen, unsere letzten Ausfahrten sind wohl auch schon gezählt, aber die Farben sind phantastisch ! Falls Dich nun die Neugierde und der Wunsch auf ein Abenteuer gepackt haben, wir sind nächstes Jahr auf jeden Fall gerne mit dabei. Aber vorerst arbeiten wir an unserer Homepage, es wurde wohl zeit, dass wir auch auf's Internet gehen. In ein paar Wochen sollte es dann wohl soweit sein www.rowingcanada.com . Es gilt auch hier, wer wagt gewinnt. Wir haben diesen Sommer viel gewonnen: neue Freunde, viele Erfahrungen, viele schöne, unvergessliche Momente und mit weiteren Abenteuer neue Würze in unserem Leben.

Ein herzliches Dankeschön für das Vertrauen und wer weiss, vielleicht auf ein Welcome to Canada 2001! Oder schon früher per Email. Bis Bald

Kurt & Barbara Baumann