UPS AND DOWNS FOR WRITING
Ein kleiner Ratgeber für den angehenden Hobbyschreiber, der sich bisher immer wunderte, warum an manchen Orten unter ganz bestimmten Bedingungen einfach nichts laufen will. Wer kennt das nicht?

DOWNS
Hier nach Inspirationen und großartigen Artikeln zu suchen ist in etwa so fruchtlos wie eine Ostereiersuche am 22. Dezember.

Kneipen
Kneipen sind wahrscheinlich die zweitlangweiligsten Orte der Welt, hier passiert nie wirklich etwas, außer, daß man dort entweder Rudel fickwilliger Einzelpersonen antreffen kann Gute Einfälle sind wie Zimmerpflanzen, nur ganz anders!(natürlich nur in bestimmten Kneipen) oder Einzelpersonen, die genauso gehen wollen, wie sie gekommen sind. Über die Abschleppmethoden der Paarungswütigen schreiben die Wenigsten, weil’s sich einerseits superplatt liest und andererseits nach Publikwerden der Methoden die Chancen auf Erfolge durch Kopisten erheblich verschlechtert werden. Die Einsamen haben nichts zu schreiben, weil Einsamkeit in Kneipen nicht dem Klischee der Gastivitäten entsprechen würde, und wer schreibt schon gerne darüber, daß er sich inmitten vieler Anderer völlig alleine fühlt? Ansonsten spielt das Leben woanders, meinetwegen draußen, aber niemals nicht in Kneipen. 

Montage
Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß 95% aller schlechtgelaunten Artikel montags geschrieben werden. Zum Beispiel heute (Montag), der die besten Voraussetzungen für einen hundsmiserabligen und orthographisch fürchterbaren Rundumschlag bereits von sich gegeben hat. Schmerzhafte Erfahrungen machen sich mit Vorliebe am Arsch des Wochenendes breit, wie zum Beispiel heute die Erkenntnis, daß das Klopapier alle und Doggensabber absolut resistent gegen jedes noch so billige Waschmittel ist. Selbstverständlich merkt man solche Sachen zu spät, d.h. erst auf dem Topf oder auf dem Weg zur Arbeit. Sieht auf der schwarzen Hose aus, als ob ich zwei bis drei mittelschwere Erektionen auf dem Oberschenkel und dem Knie verteilt hätte. Wenn’s das wenigstens wäre, aber nein, diese verkappte Nacktschnecke, die in einem Kleinkalbkörper gefangen ist, mußte ihre Zuneigung dadurch beweisen, daß sie mich vollgesabbelt hat. Geht übrigens (wie Spermaflecken auch) mit Radiergummi raus. Ich könnte wetten, daß die Hälfte aller Weltkriege an einem Montag begonnen wurde. Auf jeden Fall kein guter Tag für wirklich gute Artikel und treffende Pointen, aber perfekt für schlechte Kritiken und hemmungslose Verrisse, bei denen man sich prima Feinde machen kann!

Teamarbeit
Wie im wirklichen Leben sind alle schnell dabei, wenn es um eine gute Idee geht. Kommt es Gehirnfutter für Glatzköpfe mit Hundemarke! Wer braucht sowas?dann zum Punkt der Umsetzung, haben alle auf einmal eine längst vergessene Tante mit Geburtstag, ein Vakuum im Kopf oder epileptische Anfälle. Artikel schreibt man am besten alleine, man tippt sie selbst mit zwei Händen (zwei bis elf Finger, je nach Begabung), und man entscheidet selber, ob das Ding im Müll landet oder nicht. Ein Artikel von zwei Leuten wird in den meisten Fällen ein Kompromiß zwischen der Begabung des Einen und der Minderbemittlung des Anderen. Und wer auf das Wort „Team“ Wert legt, der will sich doch ohnehin nur auf Kosten der anderen sonnen (wenn ein „Kreativer“ mit offenen Armen und dem Wort „Team“ auf Dich zukommt, mach Dich auf was gefaßt, denn der Kerl hat nix auf der Pfanne, höchstens einen an der Schüssel). Gegenlesen kannst Du Deine Sachen gerne lassen, damit ist der Posten der „Entlegastinierung“ besetzt. Wenn Du willst, kannst Du auch immer noch um die Meinung des Gegenlesers fragen, nur befolgen würde ich sie nicht! Redaktionssitzungen fallen selbstverständlich unter „Teamarbeit“, weil viele Finger verderben eine Scheibmaschine und einen PC sowieso! Bei Redaktionssitzungen gilt folgende Faustregel: Viel trinken, viel reden, viel nicken, nix schreiben! In manchen Teams möchte kein Schwein Mitglied sein, zum Beispiel beim Fokus, weil da sowieso nur der komische Mann mit den komischen grauen Haaren was sagen darf! Noch schlimmer ist nur das literarische Quartett, da hat immer der verknitterte kleine Wichtelmann das letzte Wort, alle anderen aus dem Team davor werden abschließend von ihm zur allgemeinen Belustigung und zum Abschuß freigegeben.

Großraumbüros
Gute Artikel schreiben sich einfach nicht in Großraumbüros! Ich hab’s wirklich probiert, es klappt nicht. Wahrscheinlich liegt es daran, daß einem ständig einer über die Schulter guckt, oder daran, daß diese Büros nicht für kreatives Schaffen konzipiert wurden. In Großraumbüros (oder Stasiwaben) kann man nur dumpfe Eingabearbeiten erledigen, aber nichts neu erfinden. Tipp hier Deine Tourdaten ab oder schreib Rechnugnen, dafür ist das genau der richtige Ort!

UP’S
Hier bin ich gern, hier schreib ich!

Wohnräume
Orte menschlicher Bedürfnisse, darunter fallen das Bad, die Toilette und die Küche. Hier stellen sich permanent gute Ideen ein, am ehesten dann, wenn man keinen Stift bei sich hat. Wie haben die Knitterfressen der Stones mal gesagt: „it was all there“. Was denen das Studio und fremdgeschriebene Songs sind, ist bei mir das Zähneputzen, Baden oder Rasieren. Wer weniger auf Körperhygiene steht, der kann seine Zeit mehr mit dem Grübeln auf dem Topf verbringen, denn dort landen die guten Fanzines sowieso immer wieder.

Autostraßen
Autobahnen, Bundesstraßen und Staus sind prima Anlässe, um sein Gehirn auf Neuschöpfungen zu schalten. Wie bei den „Wohnräumen“ ist das Verhältnis zwischen „Eingabe“ und „Nullevel“ reziprok zur Anzahl der vorhandenen Schreibmöglichkeiten. Auf kurvenreichen Strecken ist die Zahl der Eingebungen selbstverständlich um ein Vielfaches höher als in einem Stau von 25 Kilometer Länge, bei dem man seine komplette Schreibausrüstung auf dem Beifahrersitz liegen hat. That’s life.

Konzerte
Es gibt kaum etwas, bei dem man besser in die Tiefen seines Geistes vordringen kann als wenn es unerträglich laut ist, vorausgesetzt, die Band auf der Bühne ist so langweilig, daß man nach den Verdammt eine Idee und kein Stift zur Hand!!!ersten fünf Minuten schon beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, was man nachher im Kühlschrank noch so alles vorfinden könnte. Ein solcher Abend kann fast jeden zum Literaten machen. Möglicherweise wurde auf einem Konzert Effi Briest geschrieben, obwohl das jetzt nicht unbedingt ein gutes Beispiel ist. Aber "Krieg und Frieden" könnte durchaus auf einem Motörhead- oder Slayerkonzert entstanden sein (Letzte Ausfahrt Brooklyn wohl auf einem Twisted Sister-Gig).

Musik
Gute Musik, die im Hintergrund läuft, kann durchaus gehirnanregend wirken. Wenn Du freilich damit beschäftigt bist, wie ein Irrer durch das Zimmer zu hüpfen und dabei eine Bierdose nach der anderen über den Teppich zu verläppern, dann wird das wohl nichts mehr mit dem Artikel. Luftgitarrespielen und Kopfwackeln fallen auch unter die Kategorie „abträglich“.

(Wie wir’s schon immer bei Micky Maus geliebt haben) Fortsetzung folgt (irgendwann)! khs

 
   
 
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