Enjoy the silence 3
 
  Ein echtes Erlebnis waren die Bodyguards der Frau mit der großen Nase, gegen die noch der schlimmste Bahnhofspimp wie ein Provinzloddel ausgesehen hätte, iiiiigitt! Eine ganze Handvoll Begründungen, warum manche Männer einfach Geld für Sex locker machen müssen! Durch die perfekte Organisation war auf ordentliches Material verzichtet worden, es gab keine Fotos, nicht mal weiße Blätter für die Autogramme, also ließen die Leute auf Plastiktüten, Kaffeebeuteln und T-Shirts unterschreiben. Wir wollen nicht ganz ungerecht sein, immerhin hatte die gute Frau einen Stift! Jeder nur ein Kreuz und dann zum vierten Mal durch das ganze Elend geschlappt, wobei ich mehr damit beschäftigt war, Anne zu beobachten, wie sie das ganze Malheur aufnehmen würde. Wir waren uns einig. Spätestens bei der Begrüßung zur Bord-Tour durch den Schiffsschaukelbremser (mit originaler Star-Trek-Kappe, da kommt echtes Feeling auf) war alles klar. Die Tour hatte ich ausgelassen, um wenigstens noch etwas übrig zu haben, was ich noch nicht gesehen hatte. Nun, hätte man sich auch sparen können, denn Laiendarsteller waren erbärmlicher als schlecht und machten die einzige gute Idee des Ganzen Spektakels zu einer grauenhaften Vorstellung, die sich in den Niederungen des deutschen Studententheaters bewegte (Spacekadetten from hell spielen einen Warpkernbruch durch, harrharr. ”Huch, jetzt ist der Warpkern angeknackst, nein was machen wir denn jetzt?”). Zum Glück war wirklich ALLES derart schlecht, daß einem gar nichts anderes blieb, als sich darüber zu amüsieren (über die steife Kostümausstellung bei der alles hinter Glas war, die paar Modelle, die nichtvorhandenen Dinge, die es noch NICHT im Fernsehen zu sehen gab ...). Oh, fast vergessen, das ”Taktgefühl” der japanischen Sponsoren zu erwähnen (heute wird doch alles gesponsert, sogar das Sponsoring selbst). Ein gelbhäutiger Ferengi-Autohersteller hatte nämlich beschlossen, sich wohlwollend am Spektakel zu beteiligen, sich dezent im Hintergrund zu halten und mit dem Zuschuß die Eintrittspreise etwas niedriger zu halten! So hätte es sein können, aber da begrüßte einen gleich als erstes in diesem transportablen Gähnmuseum ein ganz und gar nicht spaciger Klotz mit einem Auto drauf und erinnerte uns daran, daß zwischen der Autobahn und dem Erkunden des Weltraums noch viele Hindernisse zu bewältigen sein werden. Das zweite Auto an exponierter Stelle, mitten in diesem ganzen Kitsch, war dann auch nicht mehr weiter störend, aber die Simulation eines Holodecks mittels einer Projektion auf schwarze lichtdurchlässige Gaze war es, denn dort wurden Autos angepriesen! Hey, ohne Scheiß, nix mit gediegenen Holodeckorgien, Casinobesuchen mit Vic Fontaine, alten Luftschlachten, Baseballspielen, nein, man schaut sich auf einer Enterprise oder auf Deep Space Nine lieber alte Autos aus dem 20. Jahrhundert an und läßt sich die Vorzüge eines Airbags aufschwatzen.

Spaceshit
Ich empfand die Erkenntnis, daß es in der Star Trek-Gemeinde eine Menge Trottel geben muß – denn sonst würden sich solche Veranstaltungen nicht lohnen – sehr erheiternd, vor allem live, und erneuerte wieder einmal meine feste Überzeugung, daß nichts von dem, was uns Zelluloid vorspielt, zu fest in Fleisch und Blut übergehen sollte, sonst wird es ein schlechter Film für Dich und Deine Freunde! Wenigstens lagen Köln und Bonn auf dem Rückweg, die ein wenig von dem ausglichen, was uns in Düsseldorf widerfahren war! Beim nächsten Mal fliege ich einen großen Bogen um jegliche Space-Junkies! Wenigstens bis zum Sommer, dann werde ich einer der Ersten sein, die sich mit feuchten Fingern, zitternden Händen und Boba-Fett-Montur in die Schlange zum neuen Star Wars-Film anstellen!
khs

 
 
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