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Ein echtes Erlebnis waren die Bodyguards der Frau mit der großen
Nase, gegen die noch der schlimmste Bahnhofspimp wie ein Provinzloddel
ausgesehen hätte, iiiiigitt! Eine ganze Handvoll Begründungen,
warum manche Männer einfach Geld für Sex locker machen müssen!
Durch die perfekte Organisation war auf ordentliches Material verzichtet
worden, es gab keine Fotos, nicht mal weiße Blätter für
die Autogramme, also ließen die Leute auf Plastiktüten, Kaffeebeuteln
und T-Shirts unterschreiben. Wir wollen nicht ganz ungerecht sein, immerhin
hatte die gute Frau einen Stift! Jeder nur ein Kreuz und dann zum vierten
Mal durch das ganze Elend geschlappt, wobei ich mehr damit beschäftigt
war, Anne zu beobachten, wie sie das ganze Malheur aufnehmen würde.
Wir waren uns einig. Spätestens bei der Begrüßung zur Bord-Tour
durch den Schiffsschaukelbremser (mit originaler Star-Trek-Kappe, da kommt
echtes Feeling auf) war alles klar. Die Tour hatte ich ausgelassen, um
wenigstens noch etwas übrig zu haben, was ich noch nicht gesehen hatte.
Nun, hätte man sich auch sparen können, denn Laiendarsteller
waren erbärmlicher als schlecht und machten die einzige gute Idee
des Ganzen Spektakels zu einer grauenhaften Vorstellung, die sich in den
Niederungen des deutschen Studententheaters bewegte (Spacekadetten from
hell spielen einen Warpkernbruch durch, harrharr. ”Huch, jetzt ist der
Warpkern angeknackst, nein was machen wir denn jetzt?”). Zum Glück
war wirklich ALLES derart schlecht, daß einem gar nichts anderes
blieb, als sich darüber zu amüsieren (über die steife Kostümausstellung
bei der alles hinter Glas war, die paar Modelle, die nichtvorhandenen Dinge,
die es noch NICHT im Fernsehen zu sehen gab ...). Oh, fast vergessen, das
”Taktgefühl” der japanischen Sponsoren zu erwähnen (heute wird
doch alles gesponsert, sogar das Sponsoring selbst). Ein gelbhäutiger
Ferengi-Autohersteller hatte nämlich beschlossen, sich wohlwollend
am Spektakel zu beteiligen, sich dezent im Hintergrund zu halten und mit
dem Zuschuß die Eintrittspreise etwas niedriger zu halten! So hätte
es sein können, aber da begrüßte einen gleich als erstes
in diesem transportablen Gähnmuseum ein ganz und gar nicht spaciger
Klotz mit einem Auto drauf und erinnerte uns daran, daß zwischen
der Autobahn und dem Erkunden des Weltraums noch viele Hindernisse zu bewältigen
sein werden. Das zweite Auto an exponierter Stelle, mitten in diesem ganzen
Kitsch, war dann auch nicht mehr weiter störend, aber die Simulation
eines Holodecks mittels einer Projektion auf schwarze lichtdurchlässige
Gaze war es, denn dort wurden Autos angepriesen! Hey, ohne Scheiß,
nix mit gediegenen Holodeckorgien, Casinobesuchen mit Vic Fontaine, alten
Luftschlachten, Baseballspielen, nein, man schaut sich auf einer Enterprise
oder auf Deep Space Nine lieber alte Autos aus dem 20. Jahrhundert an und
läßt sich die Vorzüge eines Airbags aufschwatzen.
Ich empfand die Erkenntnis, daß es in der Star Trek-Gemeinde
eine Menge Trottel geben muß – denn sonst würden sich solche
Veranstaltungen nicht lohnen – sehr erheiternd, vor allem live, und erneuerte
wieder einmal meine feste Überzeugung, daß nichts von dem, was
uns Zelluloid vorspielt, zu fest in Fleisch und Blut übergehen sollte,
sonst wird es ein schlechter Film für Dich und Deine Freunde! Wenigstens
lagen Köln und Bonn auf dem Rückweg, die ein wenig von dem ausglichen,
was uns in Düsseldorf widerfahren war! Beim nächsten Mal fliege
ich einen großen Bogen um jegliche Space-Junkies! Wenigstens bis
zum Sommer, dann werde ich einer der Ersten sein, die sich mit feuchten
Fingern, zitternden Händen und Boba-Fett-Montur in die Schlange zum
neuen Star Wars-Film anstellen!
khs
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