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Ganz im Ernst, manchmal könnte einen schon das Mitleid packen,
wenn man gebückte, leidgeplagte, verhärmte Familienväter
und Selfmademänneken sieht, wie sie sich einen Hammer, Balken, Zimmermannsnägel
und einen Strick kaufen, um sich einen Galgen zu basteln, an dem sie sich
aufhängen können. Man weiß sofort, daß sie sich schon
beim Versuch die Daumen platthauen und das ganze Zeug dann unrealisiert
in der Garage vergammeln wird. Schade um den schönen Strick! Anstatt
sich einen ehrwürdigen alten Baum zu suchen, nein, ohne den vollen
DIY-Gedanken geht nichts, und ohne die Bastelanleitung schon gar nicht.
Auf alle Fälle ist unsere neue Wohnung DIY to the Max, denn hier war
kein fremder Handwerker, kein klugscheißender Geselle im Blauheimer,
der mit fachmännischen Blick erstmal zurück ins Lager mußte,
um die richtige Muffe zu besorgen und dann zwei Anfahrten berechnet.
Apropos ”Anfahrt”! Das mieseste Event der letzten – wart
mal, wie alt bin ich? – 130 Jahre (doch so alt) war die ”Star Trek-World
Tour” auf dem Düsseldorfer Messegelände, zu dem mich meine Anne
genötigt hatte. Im Internet schon die schlechtesten Kritiken zu dieser
Veranstaltung gelesen, die von Tag zu Tag boshafter wurden und eigentlich
schon gar keine Lust mehr gehabt. Trotzdem früh losgefahren, früh
angekommen und ganz vorne einen Parkplatz bekommen (hätte einen ja
schon stutzig machen können). Erste Probleme an der Kartenausgabe
– ein Rothemd saß ratlos vor seinem zerlegten Computer, peiiinlich
– waren zu bewältigen. Unnötigerweise hatten wir die Dinger vorbestellt,
über den Preis breiten wir ein errötendes Gesicht (ein Puffbesuch
wäre billiger gewesen – PC natürlich, bezahlen, nicht ficken,
aber der Hure ein betroffenes Gespräch über ihre ”wirklich schlimme”
Lage aufs Auge drücken!). Von da an eröffnete sich das Reich
der Peinlichkeiten! Lieblos zusammengestelltes Konzept, viel zu groß
angelegt, als daß es hätte wirken können, billig, unoriginell,
trashfaktorfrei, dilletiert, unverschämt und großkotzig, mehr
fällt mir nicht ein. Aber zum Glück war an diesem Tag Autogrammstunde
mit der Großnase Marina Sirtis (Zwergencounselor Troi), die demnächst
beginnen sollte. Anne stellte sich mal kurzentschlossen an und ich sah
mir die Ausstellung vollständig an. Nach einer Viertelstunde war ich
durch und Anne stand immer noch. Schaute ich mir eben alles noch ein zweites
Mal an, Anne stand immer noch! Nun, ich fand im Vorraum die Computer, die
so etwas wie ein ”Internetcafé” simulieren sollten (weiß ich
auch nicht, was das dort sollte, gabs auf keiner Enterprise nicht) und
addierte meine Warnungen zu den anderen, die ich die Tage davor verfolgt
hatte. Fakt war, daß Gene Roddenberry, der Erfinder von Star Trek,
sich im Grab herumgedreht hätte, wenn er eines hätte und nicht
in einer Urne um die Welt kreisen würde, bei dieser Performance. Ein
paar lange Beiträge später – vorbei an ”Quarks Bar”, die aus
einem superteuren Gestränkestand bestand, über die man das Schild
”Quark‘s” gehängt hatte – wieder zurück zu Anne, die immer noch
in der Schlange stand, wo gut zwei Drittel der Messebesucher aufgeräumt
waren. Von der Nase keine Spur, dafür hatte ich die halbe Besatzung
einer Enterprise im Visier. Es gab jede Menge Kirks mit dicken Bäuchen,
viele Kadetten, aber keine Rothemden (die ja bekannterweise bei den Missionen,
die sich aus vier Gelbhemden und einem Rothemd zusammensetzen, immer diejenigen
sind, die auf dem Planeten ihre letzte Ruhestätte finden). Die jungen
Kadetten waren übrigens immer picklig und hatten fettige Haare, die
älteren hatten ausnahmslos einen Bierbauch! Gut, nachdem der Blick
in die Runde auch nichts mehr zu bieten hatte, ein dritter Gang in den
Ferengi-Markt, der übelsten Plastikkitsch zu herben Preisen bot, ein
Blick in den Mc- Donalds-Imbiß, der trotz der Umbenennung der Gerichte
auf ”Orion-Burger” oder ”Riegel-Riegel” keine Sternenflottenatmosphäre
versprühte – er sah immer noch wie ein Hamburgerschuppen aus – und
wieder zurück. Inzwischen war die Durchsage gekommen, daß sich
die Ankunft von Marina Sirtis etwas zverzögern würde, weil sie
einen superwichtigen Pressetermin wahrnehmen müsse, daß es aber
bald losgehen würde. Ich wollte Anne den Spaß der ganzen Sache,
die ”Entdeckungen” nicht nehmen und verriet nichts von dem, was sie nachher
erwarten würde. Aber irgendwie muß sie es gerochen haben, denn
die anderen Besucher nahmen keine Rücksicht auf die Gefühle anderer
und zogen lange Gesichter. Nur wenige halbe Stunden später kam dann
auch endlich Counselor Troi (in Räuberzivil) und rettete mich vor
einer öffentlichen Hinrichtung durch die entnervten Nachbarn und Leidensgenossen
von Anne. Komischerweise fand es keiner lustig, daß ich mich als
Außenstehender über die ”Pünktlichkeit” der Weltraumbummler
verwundert zeigte und darauf beharrte, daß die Frau schon eine verdammt
große Nase hat. Kann man sich gar nicht vorstellen, da öffnet
sich so ein Wurmloch nur alle Jubeljahre, die Frauen bummeln bei einem
intergalaktischen Kaufhaus zu lange rum, die Enterprise kommt zu spät
und zack kneift das Loch den Arsch wieder zu und das war’s für die
nächsten 10 Millionen Jahre mit der Abkürzung nach Hause. Nun,
bei der Voyager war’s ja nicht viel anders! |
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