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Nach der Androhung im letzten Heft (hier is digital, gibt kein "letztes
Heft", also streichen!) habe ich meinem Vermieter ans Bein gepinkelt und
mir kurz und bündig eine neue Achtzimmermansardenwohnung gegönnt,
meinen alten Job ohne langes Überlegen gekündigt, dem Chef in
das Diskettenlaufwerk gepißt und nach fünf Jahren im gleichen
Metier einfach etwas völlig Neues begonnen. Was bin ich doch für
ein Held!
Wenn es so gewesen wäre, ich hätte es Dir nicht erzählt,
denn Eigenlob stinkt. Aber so, da es sich um eine faustdicke Lügengeschichte
handelt, kann ich ganz gut damit leben! Es stimm schon, daß die Wohnung
eine andere ist, aber umsonst gab es die nicht, vielmehr dauerte der Umzug
mit Renovierung und allem Scheiß doch volle vier Wochen. In dieser
Zeit war ich in Baumärkten und Möbelhäusern quasi wie ”Zuhause”.
Jetzt sage ich klar und deutlich ”nie wieder”, im vollen Bewußtstein,
daß dieses ”nie” nur bis zum nächsten Umzug dauern wird. Und
mit dem Job war es auch nicht so einfach, mit dem Pissen in Diskettenlaufwerke
auch nicht, denn der paranoide Komiker hat die Dinger aus Angst vor ”Spionage”
vorsorglich ausbauen lassen – nein, in diesem Laden gibt es nicht wirklich
etwas zu spionieren, der Typ hat schlicht und ergreifend nur ein bißchen
was an der Waffel. Trotzdem war es ein interessantes Spiel, mit allem was
die liebe Arbeitswelt so in der Hinterhand hat. Tolle Firma, geistig verwirrter
Chef, der mit der Sekretärin pimpert, weil er dann das Geld im Puff
spart, dafür darf sich dann die Tippse als Assistenz der Geschäftsleitung
(Geschlechtsleistung hätte besser getroffen) aufspielen und fortan
jegliche Arbeit in die Hände neuanzustellender Mitarbeiterinnen zu
legen, die postwendet als “Schreibkräfte” abklassifiziert werden,
um auch ja den Stand zu wahren. “Gut hochgefickt Löwe” würde
ich mal sagen, denn was anderes fällt mir dazu auch nicht ein. Stellvertreter
des Chefs war übrigens ein Sandkastenfreund, der seine Imkompetenz
dadurch ausglich, daß er ja die langjährige Freundschaft im
Rücken hatte – und sein Freund wußte ja seit dem Kindergarten
von seinen Fehlern, demnach war er schuld und für alles Elend verantwortlich.
Wenn es einen Weltmeister im Nasepopeln gibt, dann sitzt er dort!
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Dumm: Haus zu kurz gebaut, bleibt die Garage eben
offen!
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War schon merkwürdig, denn von all den Schlechtigkeiten, die dieses
Trio-Infernale so ausheckte, war ich als einer der Wenigen völlig
ausgenommen. Ich bekam kein Mitarbeitermobbing zu spüren, durfte mein
Arbeitsgerät so behalten wie ich es brauchte (also mit Laufwerken
und aller Software, die ich mir selber installierte), ich wurde nie abgemahnt
und bekam auch keine Zulagenkürzungen oder die Spesen gestrichen.
Im Grunde ging es mir sogar recht gut, nur Spaß hat es mit diesen
Pappnasen schon lange nicht mehr gemacht! Das konkrete Anpöbeln eines
Kollegen war letztendlich ausschlaggebend für den Entschluß,
daß es genug sei. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich mir nicht
noch einen Teil vom Spaß gegönnt hätte. Zum unpassendsten
Zeitpunkt (Hektik, viel Betrieb, Buchprüfer im Haus, Anwaltsärger
und einer frischen Kündigung auf dem Tisch) das Zwischenzeugnis verlangt
– was einer Kündigung schon sehr nahe kommt. Wenig später, mit
einer sicheren Zusage in der Hand Vertragsnachverhandlungen verlangt (wieder
unpassend) und das Spiel bis an die Grenze der Unverschämtheit getrieben,
ohne daß ich je vorhatte, auch nur eine der Forderungen jemals in
Anspruch zu nehmen! Selbstverständlich habe ich zu einem Zeitpunkt
gekündigt, als es am ungünstigsten lag (es ging noch schlimmer).
Am Vortag hatte die ”Geschäftsleitung” großkotzig das Verfahren
gegen meinen Ex-Kollegen vor dem Arbeitsgericht verloren und mußte
kräftig abdrücken. Da kam meine Kündigung, die mitten in
einen Großauftrag fiel, ganz recht, zumal ich diesen Job bis dahin
alleine betreut hatte und meine Kündigung unmittelbar vor Beginn der
Realisierung stand. Nochmal Forderungen nachgelegt (und bekommen) und gnädig
ein paar Tage draufgelegt, harrharr. Nein, ich kann nicht sagen, daß
mir das keinen Spaß gemacht hätte! Mein neuer Job ist etwas
weniger aufregend, ich fahre nicht mehr in der Weltgeschichte rum, aber
dafür kann ich über mich verfügen wie ich will!
Der Umzug in eine andere Wohnung ist eine andere Sache, die ebenfalls
sein mußte. Jetzt wohnen wir in einem Haus mit einem Zahnarzt, einem
Masseur, vielen Schwaben, für die das Wort ”Kehrwoche” eine sakrale
Bedeutung hat, nebenan schlägt ein türkischer Vater regelmäßig
seine Kinder und singt merkwürdige Lieder, darunter wohnt ein altes
Nazipaar, was zusammen alles ziemlich würzig ist. Weniger würzig
war die Auffrischung meiner Heimwerkertalente, die sich von der Elektroinstallation
über Sanitäreinrichtung bis zu den obligatorischen Maler-, Tapezier-,
Renovierungs- und Teppichlegerarbeiten erstreckte. Wenn ihr mal Schwarzarbeit
habt ... ich mach sie nicht! Aber ich habe Baumärkte lieben gelernt,
denn dort ist noch mehr Lo-Life versammelt als in den Car-Hi-Fi-Abteilungen
vom Media-Markt, ohne Scheiß! Wenn es Dich schon immer gewundert
hat, warum Häuser und Wohnungen so scheiße aussehen, warum manche
Leute mal von einem Elektroschock dahingerafft werden, weil sie das Kabel
selbst hinter dem Klo verlegt haben, dann fahr in einen x-beliebigen Baumarkt
und vergiß nicht bereits auf dem Parkplatz, Deine Augen zu öffnen!
Wundert es Dich denn wirklich, daß Leute, die noch nicht einmal fähig
sind, ein Auto halbwegs normal fortzubewegen, geschweige denn einzuparken,
keine gerade Wände mauern können, daß Grobmotoriker einfach
nicht mit so weichen Materialien wie Hammer und Nagel umgehen sollten?
Nun, es ist immer das Gleiche: das beste Werkzeug nützt gar nix, wenn
Du zwei linke Hände hast und schielst wie ein Otter, Amen! Was mich
wundert, warum es noch keine Ärzte gibt, die sich auf Heimwerkerverletzungen
(in den Oberschenkel gebohrt, mit der Zange den Finger und das Kabel abgezwickt,
gebrochene Zehen beim Tritt gegen den komplizierten Gartenklappstuhl) spezialisiert
haben. Ich würde in jedes dieser schlauen ”Wie helfe ich mir selbst”-Heftchen
eine Notfallnummer eindrucken lassen und mich das ruhig ein paar Mark kosten
lassen, bezahlt macht sich das immer! |
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