Manchmal, ja manchmal, zeigt die Stadt ihr wahres (häßliches) Gesicht. Und zwar immer dann, wenn Du die Stadt am nötigsten brauchst, diesen Moloch kurzlebigen Konsumverhaltens. Aufgrund einer ziemlich saudämlichen Selbstverstümmelung (zwei Monate Training und Fitnessgequäle, um mich beim ersten Spiel nach ganzen 7 (in Worten: SIEBEN) Minuten mit einem abgeknickten Daumen und einer lustigen Wadenzerrung wieder vom Spielbetrieb ausgeschlossen zu fühlen – immerhin brachte es mein Ersatzmann nur auf 4 Minuten, dann war für ihn Schluß) war ich genötigt, nach halbverheilter Verletzung auf Hilfsmittel angewiesen zu sein. Eigentlich auch kein Problem, denn das heilt bis auf die seelischen Wunden alles irgendwann von alleine, und zieht ein paar Wochen später eben noch ein wenig in der Wade. Nun denn, unterstützen wir die Muskulatur ein wenig und besorgen wir uns in der Stadt eine Bandage für die Wade (und in der Zwischenzeit auch eine für den Oberschenkel, weil wir waren im letzten Training wieder mal ungeschickt, und zu den Jüngsten zählen wir auch nicht mehr). Sei’s drum, in der großen Stadt gibt es neben Drogen, Prostitution. Parkplatzproblemen, jeder Menge schlechter Luft, Dauerhektik und einigen Brauereigaststätten auch ca. 5 bis 6 gute Sportgeschäfte, die über das Nötige verfügen sollten. Das erste Etablissement hatte viele lustige bunte Outdoorjacken, Trekkingzubehör und diverse Ballspielaccessoires (Streetsoccertore, Filzpantoffel sowie Säcke voller Sand für den Beachstraßenvolleyballer) aber kein Verletzungszubehör. Gut, so sei es, bei solchen Sportarten verletzt man sich ohnehin selten, eher stürzt man tödlich ab oder man ärgert sich darüber, daß irgendwelche Haustiere ihre Notdurft in der aufgeschütteten Heimdüne verrichten. Der nächste “Shop Sportif” war aber nicht viel besser. Jede Menge Funsportbekleidung, Massen an ertüchtigungsuntauglichen Sportschuhderivaten, Fruchtsaftbarellenbogenschonbezüge und ein kleiner Ständer mit Hoffnungsträgermaterial. Immerhin Knieschoner (gepolstert), weil Rollerblades und Aluroller gerade im Trend sind und die Leute von dort aus gerne auf den Boden fallen. Weitere Schon- und Stützbandagen? ... Fehlanzeige! Immerhin, der Verkäufer weiß Rat, den nämlich, daß sie das nicht haben. Klasse Fachpersonal, denk ich mir und überlege, warum es so viele Leute gibt, die arbeitslos sind, obwohl die lesen und 
schreiben können. Der dritte Sportladen macht es kurz und gleich beim Eintritt farbenblind, er ist so funny und trendy wie sein Vorgänger. Eine veränderte Auswahl im Sortiment ist Fehlanzeige. Lustige verchromte Kinderroller, Rollerblades, Schneebretter und Unmengen an potentieller Flohmarktware, die hier noch für dreistellige Beträge den Besitzer wechseln, statt, wie zum eigentlichen Wert von 1,- DM das Kilo in osteuropäische Rückkehrersiedlungen und Freizeitgulags zu wandern. Wiederum gepolsterte Knieschoner und ein Handball, den ich als erstes Mannschaftssportgerät ausmachen kann (dafür ist er mit seiner grellpinken Farbe für Heterosexuelle und Leute mit einem Rest an Geschmack unspielbar gemacht worden). Das Personal ist kommunikativ und ich schon leicht gereizt, weil ich weder Interesse an froschgrünen Leggins noch an güldenen Cheerleaderpompons hege. Verärgert moniere ich die mangelhafte Auswahl an Sportbandagen und die Bedienung von Kundschaft über 16 Jahren mit angemessener Ware. Der Jüngling empfiehlt mir das Sanitätshaus 50 Meter weiter die Straße hinunter, woraufhin ich ihm dankbar in einen Ständer sündhaft teurer Raftinghemdchen huste, um mich dann lautstark über meine verfluchte offene TB beklage. 
 
 
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