HIS-TORYpt.3  
  Gut dagegen: Frisuren oder Haarefärben mit Ostereierfarben (Ausnahme: Haarebleichen mit Domestos und danach ein Jahr als Skinhead rumlaufen, das ist eher peinlich). Wesentlich interessanter ist da schon, wie man einen 70cm-Iro mit Tapetenkleister aufstellt und wie man mit dem Ding so schläft, daß er am nächsten Tag noch steht! Apropos Iro, ich muß an dieser Stelle mal lästern, wenigstens ein einziges Mal! Der Sänger von den Ausgebombten, Lebra, mit seinem Super-Iro (Watties Schwester aus München), dessen dufte Platte wieder aufgelegt wurde, hat sich seinerzeit als ziemliches Weichei entpuppt, als er zu einem Konzert bei Nieselregen mit einem Taxi vorfuhr, damit seinem schön gestylten Haarschmuck auch ja nichts passiert. War der erste Punkerschönling, den ich aus einem Daimler aussteigen gesehen habe. Generell sind Frisuren immer ein prima Thema, über das es sich immer zu diskutieren lohnt. Da kann Dein bester Kumpel gerade von den Bullen eingesackt worden sein, der Laden wurde vor einer halben Stunde von einem Trupp Nazis mit scharfer Munition beschossen und in Österreich wurde mitten in Wien versehentlich eine Neutronenbombe gezündet, wenn der Eddie mit seinen frisch gefärbten grünen Haaren den Saal betritt, dann gibt es nur noch ein Thema!
Perfekt sind ausufernde Sexerlebnisse, multiple Orgien auf Obey!Jugendzentrumklos, Dauerverkehr hinter der Bühne, während vorne der Saal tobte, etc. Alles ohne Gummi, volles Risiko und immer Spaß dabei! Keine Hemmungen, so unsexistisch ist der ganze Laden nun wirklich nicht, daß sowas nicht mehr ziehen würde!
Sehr gut kommt freilich die Auflistung der Bands, die man schon alle gesehen hat, lange bevor der Rest Deiner Anbeter überhaupt von der Existenz dieser Band wußte! Selbstverständlich war die erste Tour viel besser und die Band noch nicht so furchtbar ausgewimpt!!! Bei neuen Bands immer gelassen reagieren, auf alte Kamellen verweisen, die das schon ´82 gemacht haben, auch wenn innerlich das Blut kocht und Du gerne tanzen würdest, Du bleibst locker stehen, äußerlich kühl und gelangweilt. Was kann Dich schon noch erschüttern, wo Du alles gesehen hast???
Bist Du ganz mutig, dann schreib doch ein Buch (hebt Dein Ansehen ungemein, denn immerhin kannst Du schreiben!). Verkläre Deine Vergangenheit, verpaß Dir die Memoiren, die Du gerne über Dich lesen würdest, tu Dir keinen Zwang an (meine Fresse, muß man Dich wirklich so motivieren, bis Du endlich aus dem Quark kommst?). Wie wär’s mit “Ich war der Nietenkaiser von St.Gallen” oder “Meine Kinder von Äni(x)Väx”, “Ich, Jello Biafra, Glenn Danzig und der Rest der Bande”? Zu dick aufgetragen? Naja, wenn ich mir die vorliegenden Autobiografien und “selbsterlebten Bücher” so ansehe ...
Buh!
Vereinfacht wird die die Nichtüberprüfbarkeit Deiner gesammelten Geschichten übrigens durch Dein Aufwachsen an den entlegensten Orten, und erzähl Deinen Freunden, die Du seit 15 Jahren kennst, besser keinen Mist, sie kennen Dich ebenfalls solange und können sich oft gut daran erinnern, daß Du zu Depeche Mode oder Heaven 17 gerannt bist, als sie das Jugendzentrum beim Conflictkonzert gegen die Glatzen verteidigt haben! Bei einer solch schweren Ausgangssituation empfehle ich Dir ganz energisch einen Umzug in eine weit entfernte Stadt. Abgeraten werden muß übrigens vor einen Umzug nach Berlin – vor allem für Schwaben – denn dort leben weniger Berliner als Zugereiste, der Schwabenanteil in Berlin soll sogar höher sein als in Stuttgart oder Schwäbisch Gmünd, was das Risiko für das Wiederauftauchen alter Bekannter unnötig ein Vielfaches nach oben treibt! Auslandsaufenthalte und die dort erlebten Dinge sind das Salz in der Suppe – wie bei den Studenten auch!
 
 
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