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DIY ist der Gedanke, denn wo alles in depressive Lethargie verfällt,
wird wieder auf die Worte des Stammesältesten gehört, dieser
Job kann Dir zufallen, wenn Du ihn Dir nur nimmst. Mach Dich interessant,
erzähl von frühen Tagen, alten Zeiten, erzähle von großen
Taten und bewegenden Dingen. Nein, Du lügst nicht wirklich, sieh es
als “sozialen Dienst”, denn wenn schon die Szene nichts mehr Neues zu bieten
hat, wenn keine Aufregung mehr vorhanden ist, dann orientiert man sich
an alten Werten, und die müssen natürlich auch vorhanden sein.
Alles was Du tust, steht im Dienste der “guten” Sache und ist allenfalls
eine Notlüge. Wenn Du damit ein Problem haben solltest, meinetwegen,
aber laß Dir gesagt sein, die anderen verfahren auch nach
nach dem deutschen Rechtsprinzip: Lügner ist man erst, wenn man
als solcher überführt wird!
Mit diesem guten Rat im Gepäck darfst Du über Los gehen,
sobald Du eine Sechs gewürfelt hast und das nötige Handwerkszeug
zu “Deiner” Geschichte eingepackt hast! Und das sind Fakten, Fakten, Fakten
(Eckdaten eben), die wir Dir ganz großzügig und selbstlos zur
Verfügung stellen. Einen kleinen Ausschnitt alter Konzertdaten findest
Du am Ende dieser Gebrauchsanweisung, die Füllung bleibt Dir überlassen.
Nun muß nach der Attitude nur noch die Umgebung stimmen! Machst
Du einen auf Szeneältesten, dann sollte entweder Dein Haar licht und
die Jacke abgetragen oder aber mindestens vierzehn EX-Bands Deinen Weg
pflastern. Pick Dir ein paar der Konzerte, die Du gerne gesehen hättest
heraus und schmücke sie mit den Ereignissen, die Du dort ebenfalls
gerne gesehen hättest. Erzähl ruhig, daß der Sänger
schwul, die Frau am T-Shirtstand kokainabhängig und der Gitarrist
ein illegaler Einwanderer aus Nicaragua war. Bastel Dir eine Backstagesauferei
mit Charlie Harper (vor seinem tragischen Herzanfall war der echt ein dufter
Kumpel) und wiederhole laut das Gebet, das Du gemeinsam mit Ray Cappo vor
dem Gig in Bielefeld begangen hast! Du wirst viele neue Freunde gewinnen,
glaub mir, denn Du gibst der Sache interessante Erinnerungen und neuen
Esprit. Grenzen? Wo die Grenzen sind? Meine Fresse, muß man Dir wirklich
alles vorkauen?
Du solltest freilich nicht zu hemmungslos sein, eine Rückdatierung
auf deinen Szeneeinstieg im Vorschulalter nimmt Dir keiner ab, bei einer
siegreichen Prügelei gegen sieben Faschos solltest Du ohne Deine Lederjacke
besser nicht aussehen wie wie ein schwindsüchtiger Hering oder aber
eine gute Ausrede parat haben! Die Skins dann auf Rollstuhlfaschos zu relativieren,
die Dich von ihren AOK-Coppern aus angepöbelt haben ist dabei ziemlich
uncool, weil man Behinderte nicht verprügelt, Du Arschloch!
Dufte Saufstorys – interessieren immer weniger Leute, sind also nicht
so “hip”, aber ok – ziehen nur, wenn Du sonst nicht schon nach dem zweiten
Pils auf deine Schuhe kotzt (kann man allerdings mit den Entzugspillen,
die Du gerade zu Dir nimmst, einigermaßen wieder geradebügeln,
aber nur einmal). Solltest Du Dir also vorher dreimal überlegen, denn
es kommt nicht so gut, wenn Du ein superduftes Konzert in Deiner eigenen
Magensäure vom Boden aus verfolgt hast. Strunzbesoffen über die
Schlafsäcke der Band zu pissen ist auch keine Blatt, mit dem man sich
schmücken sollte – vielmehr für einige Tourbegleiter harte Realität!
Auch kaum spannend, uralte Storys aus dem harten Punkeralltag, wie
Kampfschnorren vor Aldi oder Klamottenkauf in London – weil’s woanders
nix gab. Kann heute kaum jemand mehr nachvollziehen, denn seit H&M
ist alles anders geworden! |
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