Grrrrrr
Die typische Lauerstellung: Ein harmloses Gesicht aufgesetzt, lauert dieser heimtücki- sche Kerl auf den erstbesten Moment, um seine Beute aus dem Hinterhalt anzufallen und zu zerfleischen.
Rene Weller und Axel Schulz
Rowdies: Zwei Hamsterrüden prügeln sich, daß die Fetzen fliegen. Ist kein Artgenosse für das grausame Imponierritual in der Nähe, wird auch schon mal ein Kleinkind oder ein Lastwagen angefallen und vermöbelt.
Wie auch immer, kommen wir endlich zum Thema. An diesem Tag standen nun Jörg und Gordon mit einer Riesenüberraschung vor der Tür. “Nein, wie niedlich, ein Hamster im Käfig.” Toll, wollte ich sowieso schon immer haben, spätestens seit ich mit vier meinem letzten Meerschweinchen aus lauter Zuneigung die Luft abgedreht hatte. Und weil es mein Geburtstagsgeschenk war, nahm es sofort meine Freundin in Beschlag. Immerhin durfte ich noch bestimmen, wie das Viech heißt und endschied mich für “Eric” (wie der “Eric” in diesem einen Monty Python-Sketch mit den zwei Schulbuben, der die Vorgeschichte zu “Nudge, Nudge” bildet). Grob überschlagen kostete so ein Hamster zu diesem Zeitpunkt erst einmal nichts, weil es ja ein Geschenk war. Hätte ich ihn allerdings selbst gekauft - was mir natürlich nie in den Sinn gekommen wäre - dann wären 12,- bis 14,- DM fällig gewesen. Allerdings nur zu dieser Jahreszeit, denn gewöhnlich ziehen sie vor Weihnachten herum etwas an. Nicht die Hamster, die haben Fell, die Preise mein ich! Um die Weihnachtszeit werden sie naturgemäß etwas teurer, durch den pädagogischen Nutzwert, den so ein Dauerschläfer für ein Kind mit sich bringt (“Vati, Mutti, darf ich heute Nacht etwas länger aufbleiben und mit meinem Hamster spielen?” “Nein, ab ins Bett und nicht mehr lesen!”). Ein Hamster ist ein perfekter Ersatz für einen Vater, der im Schichtdienst malocht - tatgsüber liegt er meistens in der Falle und ist nur zu sehen, wenn er mit einer Stinklaune herauskriecht, um sich etwas zu fressen und zu trinken zu holen. Durch  die vorweihnachtliche “Hamsterknappheit” klettert der Kurs in die schwindelerregende Höhe von 17,50 DM. Dabei hätte jedes zweite Kind statt dem Hamster lieber eine Barbie oder einen Playboy (von Nuntundo, oder wie die Karateschule auch immer heißen mag). Hätten meine zwei “Freunde” diesen Hamster allerdings in Tschechien gekauft, dann hätten sie nur 2,50 ausgeben müssen, so steht der Kurs nämlich in unserem östlichen Nachbarland. Allerdings waren sie so schlau, mir keinen von dort zu besorgen, denn die sind zwar billiger,  verstehen aber naturgemäß nur Tschechisch, und das kann ich nicht. Anyway, den Käfig gab es obendrauf, bzw. drumherum, nebst einer Grundausstattung von einer angebrochenen Tüte Grundfutter. Bis hierher alles umsonst, geschenkt und gratis. Hat mich nichts gekostet, niente, war für lau, geschenkt, free, Pauschaltourist. Pflichtgemäß tat ich dann auch so, als würde ich mich ernsthaft freuen und warf die beiden nach der ersten verlorenen Partie Risiko auch gleich wieder raus, um mir gehörig die Kante zu geben. Von den anderen Geburtstagsgeschenken weiß ich nicht mehr viel, außer daß das meiner Oma auf dem Flohmarkt den stolzen Erlös von 1,-DM eingebracht hat, wobei der Blödmann auch noch versuchte, mich auf “fumfsich Fennich” herunterzuhandeln (nachdem ich den Preis von zuerst fünf auf drei und dann auf eine Mark gesenkt hatte).

Eric war von nun an ein festes Mitglied unserer Lebensgemeinschaft, er wohnte im Flur in seinem Käfig und entwickelte sich schnell von diesem halbnackten niedlichen Wurm zu einer gehörigen runden Portion Fellball-Tribble. Er benötigte dazu nicht einmal 24 Stunden und war damit schneller als Eddie Murphy in seinem letzten erfolgreichen Film. Wahrscheinlich hätte Eric sein Dasein ohne größere Schäden an mir beendet, wenn nicht ein anderer Schlauheimer auf die Idee gekommen wäre, mit dem Tier “das Buch zum Hamster” zu verschenken. Den Tierhaltungsratgeber haben wir unter dem ganzen Papiermüll drei Wochen später beim Aufräumen entdeckt. Weil meine Freundin lesen konnte und ich dachte, daß ihr das in diesem Falle auch nicht großartig schaden würde, ließ ich es zu, daß sie sich in die Materie der Hamsterpflege einarbeiten sollte.

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