Heimische Tiere
die (irgendwie) zu Recht vom Aussterben bedroht sind

4. Der Uhu (otus prittus)
Diese Gattung leidet unter einer Krankheit der Postmoderne, der Spezifizierung. Der Uhu war bis vor noch nicht allzu langer Zeit kein allzu seltenes Tier in unseren Wäldern. Aber mit der zunehmenden Spezialisierungschuhuuuu einzelner Produktentwicklungen, die selbst vor den Tieren unserer heimischen Fauna keinen Halt machte und zum immer schwieriger werdenden Fortpflanzungsprozeß ihren Teil beiträgt. Zu den Zeiten als Klebstoff noch einfach “Bäpp, Klebe” oder eben “Uhu” war, war der Uhu so universell fortpflanzungsfähig wie sein gelber Vetter aus der Bastelecke. Erstmals ging der Bestand mit der Einführung von “tropffrei und sauber”-Züchtungen, die durch heimische Zoos unter die Waldbevölkerung gemischt wurden, zurück. Nach dem “Lösungsmittelfreien” kam der “Praktische in der Flasche” und war nur noch für einige wenige Werkstoffe geeignet. Paart sich ein tropffrei und sauber-Uhu für Metalle, Stein und Holz mit einem lösungsmittelfreien, der lediglich für Papier, Styropor und einige ausgesuchte Kunststoffarten geeignet ist, wird zwar ein Gelege von ca. 4-7 Eiern zustande kommen, allerdings werden die Eier nicht befruchtet. Mit dem Rückkgang der universell einsetzbaren Männchen wird der Arterhalt immer schwieriger und die Fortpflanzung zum reinen Roulettespiel, das nur gewonnen wird, wenn zwei 100% geschlechtskompatible (tropffrei und tropffrei, beide für Holz, poröse Werkstoffe und/oder Keramik) zueinander finden. Abbildung: Uhu: tropffrei und sauber (l) und  flinke Flasche (r) (für Kork, Filz, Holz, Papier, Pappe und Leder)

5. Die Eintagsfliege (diptera diem singularis)
Ebenfalls ein Opfer unserer modernen Zivilisation. Hat doch die Eintagsfliege nur einen einzigen Tag für alle schönen Dinge des Lebens und ihre Fortpflanzug, steht dieses bemitleidenswerte Wesen vom Beginn “seiner 24-Stunden” unter Dauerstreß, der nicht selten zuviel für das einzelne Tier ist. Der Tag beginnt in aller Herrgottsfrühe mit Schlüpfen, Flügeltrocknen und einem kargen Frühstück, das aus einer Tasse Kafffee und einer Gauloises (ohne Filter) besteht, für mehr hat die Fliege keine Zeit. Nach dem Frühstück geht es zum Einwohnermeldeamt, für die Anmeldung und den Antrag auf einen Paß (der Paß ist wichtig, weil ohne ihn kein Termin beim Notar möglich ist, um den letzten Willen aufzusetzen). Das Amt öffnet jedoch auch in der Tierwelt nicht vor 10:00 Uhr – Zeit für ein richtiges Frühstück also. Bis alle Formalitäten auf dem Amt erledigt sind, vergehen durch den großen Andrang von Eintagsfliegen 2-3 Stunden nutzlosen Wartens auf den Gängen. Danach zum Sozialamt (öffnet erst wieder um 14:00 Uhr), um die Sozialhilfe ausgezahlt zu bekommen. Die Wartezeit wird mit Mittagessen und ein paar Flugübungen im nahegelegenen Park oder auf einer Wiese überbrückt. Um ca. 15 Uhr verläßt die Eintagsfliege das Sozialamt, um auf einen Sprung beim Leichenbestatter und anschließend beim Notar alles für das Ableben klarzumachen. Auch hier dauert alles fly on the walldurch den großen Andrang der Eintagsfliegen ein wenig länger. Sarg ausgewählt, Grube gebucht und den letzten Willen aufgesetzt; wir haben inzwischen den späten Nachmittag oder den frühen Abend. In aller Eile noch zum Frisör und ein paar chice Klamotten für den Abend und die einzige Chance gekauft, kurze Verschnaufpause. Die Eintagsfliege hat zu diesem Zeitpunkt bereits fast 2/3 ihres Lebens hinter sich gebracht und verfällt an diesem Punkt gerne (und nicht selten) in eine Midlife-Crisis sowie tiefe Depressionen. Verständlicherweise ist die Selbstmordrate unter dieser Tierart sehr hoch und liegt bei 40% der Gesamtpopulation, was sogar noch steigt, wenn die Fliege das Pech hat, an einem Feiertag zu schlüpfen, an dem die Ämter aus gutem Grund geschlossen haben. Sollte es darüber hinaus sogar noch aus allen Rohren regnen, schnellt die Suizidrate gar auf 85%. Ein verständlicher Umstand! Ein Tag, keinen Ausweis, keine Kohle und dann schifft es auch noch aus allen Rohren, ein echtes Scheißleben. Die wenigen von der Telefonseelsorge geretteten oder gar nicht erst von Depressionen betroffenen Singles strömen am Abend in eine der zahlreichen Diskotheken, die meist an einer der vielen Straßenlaternen gelegen sind, um sich einen geschlechtsreifen Partner für den ersten und letzten Sex zu suchen. Gelingt es den paarungswilligen Singles auf ihrem Streifzug einen Partner zu finden, ziehen sie sich sofort zurück, um hemmungslosesn Geschlechtsverkehr in einer billigen Absteige zu praktizieren, der mangels Erfahrung nicht selten unbefriedigend endet. Wer leer ausgeht (und das sind wie überall meistens die Männchen), verbringt den Rest des Abends mit Biertrinken vor dem heimischen Fernseher und stirbt dann, ohne etwas für seine Gattung geleistet zu haben (so wie die meisten Menschen auch, nur sind die aufgrund des fehlenden Zeitlimits nicht vom Aussterben bedroht). Sollte das Pärchen nach dem vollzogenen Fortpflanzungsakt nicht gleich vor Erschöpfung in einen tiefen Schlaf verfallen sein (der sich hier als äußerst fatal erweist), näht das Weibchen unmittelbar nach der Beischlafzigarette einen kleinen Sack, legt ihre Eier darin ab und vergräbt ihn irgendwo im Garten. Danach legen sich die Eintagsfliegen zu Sterben darnieder und überlassen ihre Nachkommen dem Schicksal, das sich nur wenig von ihrem eigenen unterscheiden wird. 

6. Der Nachtreiher (aves vomituus)
Jenseits westlicher Backfischkulturen das einzige bekannte Vieh der Tierwelt, das sich aufgrund wenn reiher reiern reiern reiherfehlgeleiteter Schönheitsideale zu Tode idealisiert. Tagsüber frißt der Nachtreiher wie ein ganz normaler Geier in sich hinein, um auf seinen ausgedehnten nächtlichen Touren durch die Vögeldissen das auszukotzen, was der Magen für den täglichen Bedarf aufarbeiten würde. Krankhafte Bulimie und ein Hang zu synthetischen Drogen lassen die Population seit Jahren zurückgehen. Selbst Zwangsernährung und Therapien haben beim Nachtreiher (landfäufig auch als Moss-Vogel bekannt) nicht geholfen. Zusätzlich wird diesem äußerst schwerhörigen Tier auch noch durch Fischereifreunde nachgestellt, die es partout nicht einsehen wollen, daß der Vogel ihnen die Teiche in der Unvernunft leerfrißt, um es am Abend über einer hippen Kloschüssel wieder von sich zu geben. 

7. Der Tekkno-Tanzbär (ursus horribilis bumbum)
Dieses Tier ist inwzischen derart selten geworden, daß sogar versäumt wurde, rechtzeitig vor dem Populationsrückgang Fotos von ihm zu machen. Die russische Neuzüchtung aus einem Pärchen drogenabhängiger, schwerhöriger Epileptikerbärchen war von Anfang an nicht für das Überleben bestimmt. Ohne eine ständige Zufuhr von Muntermachern und anhaltender monotoner Stampfgeräusche verfällt der Bär nämlich in eine tiefe Apathie, aus der er nur erwacht, um sich Tiefkühlpizzen zuzuführen, mobil zu telefonieren oder ekstatisch zu zucken. Fortpflanzung spielt bei diesem Tier keine Rolle, da es den Ruf eines Geschlechtsgenossen ohnehin nicht wahrnehmen könnte (obwohl schon einige dieser Bären beim Flirt mit einem Preßlufthammer beobachtet worden sein sollen – wie das ausging kann sich ja jeder selbst ausmalen). Vereinzelt sollen noch Exemplare in Berliner Tanzbunkern gesichtet worden sein, was aber ebenso auf russische Propaganda zurückzuführen sein kann. Falls Du ein gepierctes Wesen mit kurzen Lederhosen, knallrot gefärbten Haaren, tiefen Augenringen, Nasenring und ungelenken Tanzbewegungen im Flackern des Strobes siehst, dann kann es sich um eines der letzten Tekknotanzbären, aber ebenso um einen durchschnittlichen Loveparadetouristen aus Neu-Ulm oder den Ötzi auf Red Bull handeln. Was es auch ist, fotografiere es in jedem Fall.    bonsoir khs

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