. Die Kontrolle des Internets durch die Staatssicherheit machte sich in vielen Begriffen, die das DDR-Netz prägten bemerkbar, so war “Transitstrecke” Stasijargon für eine Datenautobahn, für die extra Datenleitungen in der gesamten DDR gelegt wurden, die für westliche Besucher als Telefonkabel getarnt wurden. Da verwundert es nicht, daß trotz der ständigen Erdarbeiten und Strippenzieherei Telefone in der Zone damals Mangelware waren. 1972 wurden beispielweise in der Region um Dessau mehr als 127 Kilometer “Telefonleitungen” gelegt, aber im gleichen Jahr nur sieben Telefonneuanschlüsse in Privathaushalten der Region eingerichtet.
Für Parteifunktionäre und Mitarbeiter der Staatssicherheit wurden in den Intershops eigens 
NVA-Hausfrauenradio mit nur einem festeingestellten Sender. Understatementpropaganda!!!
Bestände von Heimcomputern als sogenannte “Bückware” (Ware unter dem Ladentisch) geführt, die nur gegen Westgeld und Vorlage des Parteiausweises verkauft werden durften. Die E-Mail-Adressen wurden zentral über Berlin vergeben, von wo auch die einzelnen Domänen verwaltet wurden. Die erste Homepage war eine Fanseite von Dynamo Dresden, die eigens von Erich Mielke entworfen wurde und bis 1989 beinahe 12700 Besucher zählte, was nach heutigen Maßstäben eine gewaltige Zahl ist, wenn man die begrenzte Zahl der berechtigen Anwender berücksichtigt. Äußerst beliebte Diskussionsforen waren unter anderem “ddr.alt.bilders.naggich”, “ddr.alt.tauschwaren”, “ddr.witze.stasi”, “ddr.alt.fan.dynamo”, “ddr.alt.flame.klassenfeind”, “soc.sozialismusdebatte”, “urlaub.ungarn” und “eff.ga.ga”! Jungprogrammierer ausgewählter FDJ-Kader, die sogenannten “Bit-Brigaden” erfanden ein sozialistisches Heimseitendesign (sHd), das sich in den frühen Jahren besonders durch die blassen Farben, später durch den starken Einsatz von kräftigen Blau- und Gelbtönen auszeichnete. Die meisten Homepages entstanden durch die Stasi-Mitarbeiter der einzelnen Betriebe, oft ohne Wissen der jeweiligen LPG (eine der meistbesuchten Homepages in Fragen der Goldbroilerzucht war ddrww.lpg-neuplönitsch/broiler.com) oder des VEB-Betriebes in Eigeninitiative. Da nahezu jeder Betrieb von offiziellen und inoffiziellen Mitarbeitern des MfS durchsetzt war, gab es teilweise sogar bis zu vier Homepages desselben Betriebes, ohne daß der eine Mitarbeiter je von der 
Mangelware
Mit solchen Ausstellungsstücken, die beispielsweise auf der Leipziger Messe der Weltöffentlichkeit präsentiert wurden, verschleierte das DDR-Regime bewußt den wahren Technologiestand des vernetzten Ostens! Diese potemkinschen Güter wurden ausschließlich für derartige Zwecke in Kleinserien gefertigt und waren deshalb in den Läden auch nie zu finden. SED-Technologie-Understatement par excellence!
 Existenz der anderen Seite erfuhr. Die einzigen bekannten Sexseiten wurden mit Bildern aus völlig zerfledderten Playboy-Heften gefüttert, später, als die Kontrolle des Posteingangs durch den SSD perfektioniert wurde, stieg auch die Qualität dieser Seiten stark an, obwohl ihre Zahl eher als gering zu bezeichnen ist. In der Hauptsache widmete man sich auf den meisten Homepages (die zu DDR-Zeiten selbstverständlich noch Hausseiten oder im Jargon “Dadschen” hießen) Freizeitthemen zu (z.B. Angeln ddrww.fischn.hop oder Modelleisenbahnwesen ddrww.pikobello.zug), beschäftigte sich mit Fragen des täglichen Sozialismus (Deutsche.demokr@tische.Republik war die Email-Adresse für dem nationalen Kummerkasten), gab praktische Tips für den Heimbau oder man denunzierte dort seinen Nachbarn.
In den späten Siebzigern und frühen Achtzigern kam es durch West-Spionage, Landesverrat und Unvorsichtigkeiten beim Einkauf von “I-Gut” in den PC-Intershops zu einer Abschöpfung des technischen Know Hows. Teile von O.S-T (damals in der Version 1.74) wurden fester Bestandteil eines kleinen Unternehmens aus Redmond, USA. Einer der beiden Gründer (der mit der schlechten Frisur und der Kassengestellbrille) hatte von einem DDR-Überläufer für die Summe von 4.000$ eine Version des Betriebssystems gekauft, das Ganze in die englische Sprache übersetzt und verkaufte die Plattform als Betriebssystem an IBM. Selbst heute noch hat ein Betriebssystem wie Windows 98 noch vollständig intakte Bestandteile aus ostdeutscher Programmiererhand, und das sind fast immer die stabilen Bestandteile des Systems. 
Andere Teile der Netzwerktechnologie fielen in die Hände amerikanischer Regierungskreise, die alles daran setzten, diese Technik als ihre eigene Erfindung anzupreisen. Der bestehende Name “Internet” wurde ebenso frech übernommen wie das E-Mailzeichen “@”, das in jeder ostdeutschen Beamtenstube seit den Endsechzigern zuhause war und vom Parteiabzeichenkonstruktionszeichner Bruno Wilbertzsch aus Löbau ursprünglich als Ehrenmedaille entworfen worden war. Die DDR-Führungsriege war über den Verlust des Technologievorsprungs natürlich nicht erfreut, schraubte die Neuinstallation weiterer Netzwerkrechner zurück und zügelte die Neuzulassung von Internetnutzern. Zu dieser Zeit stand das Internet der DDR kurz vor der breiten Zuteilung an alle DDR-Haushalte. In den frühen Achtzigern entstanden die ersten öffentlichen Internetcafes (zuerst nur in Pasewalk und Boizenburg, später dann auch in Wanzleben, Osterhausen und Osternienburg) mit bescheidenem Erfolg. Die zugänglichen Seiten, wie die Homepage des “Neuen Deutschlands” (ddrww.n.d.zei) der “FDJ-Jugendorganisation (ddrww.fdj.kom – kom steht für Kompanie) und andere Seiten mit ausschließlich sozialistischen Inhalten stießen auf wenig Interesse. Relativ erfolgreich waren lediglich “Mosaik” (ddrww.mosaik.com – com steht für Comics) und eine private Homepage eine Hobbytuners und Händlers für gebrauchte Skoda-Ersatzteile (ddrww.kampfpappe.html – html für handel tausch für motoristik & leichtlauföle). Ebenfalls eine Schlappe waren die Internetangebote von Konsum-Onlineshopping (ddrww.konsum.hmwanich/htm) und einzelnen HO-Läden (ddrww.ho.htm), deren spartanische Angebote und schlecht entworfenen Seiten zwar Besucher locken konnten, aber die Wartezeiten waren derart lang, daß viele der Kaufwilligen entnervt aufgaben. Ein weiteres Problem für das Onlineshopping stellte das Fehlen von virtuellen Mark der DDR dar. Kreditkarten waren verpönt als Ausdruck westlich-dekadenter Lebensart und Aluminiumgeld wollte der Computer nicht nehmen. Dieses unlösbare Problem führte zur baldigen Einstellung des Verkaufs von Waren über das Internet, das durch mangelnde Attraktivität der Inhalte (selbst die Fanseiten von “City” und den “Puhdys” waren nicht besonders beliebt, im Gegensatz zu einer Hackerseite eines Kraftwerk-Fans, die nur zwei Tage im Netz zu finden war). Mitte 1989 wurde mangels Nachfrage das letzte Internetcafe in Wanzleben wieder geschlossen. Im Westen hatte die Internettechnologie inzwischen Fortschritte gemacht, hinkte aber noch weit hinter den Möglichkeiten der DDR zurück.Der KC 87, das Tor zur virtuellen Pforte. Standardausführung, sauschnell!
Der Rest ist Geschichte, 1989 Fall der Mauer, Ausverkauf des Ost-Know-Hows an westliche Firmen. Robotron, zu Zeiten der Wende “Kombinat der Mikroelektronik Erfurt”, wurde über Ressourcenabsschöpfung durch einen westlichen Kooperationspartner abgewickelt, die bis dahin geheimen Programmentwicklungen verschwanden über den großen Teich und tauchen heute, zehn Jahre später, in “neuen” Programmen wieder auf. Bezeichnenderweise gab es nach dem Verfall der DDR einen Boom des weltweiten Internets, das sich vor Neuerungen im Erscheinungsbild kaum noch retten konnte – klare Indizien für die Ausbeutung von Entwicklungen des Ost-Netzes, das zu seinen schlechtesten Zeiten bessere Datendurchsätze hatte als das westliche Internet an guten Tagen. Ungeklärt ist der Verbleib des Ost-Internets, das komplett vom Ministerium für Staatssicherheit kontrolliert wurde. Damals wie heute laufen alle Telefonleitungen des Ostens über Berlin-Lichtenberg, nur damals waren diese Leitungen kein Teil des öffentlichen weltweiten Telefonnetzes, über das der Datenverkehr des Internets heute zum größten Teil geregelt wird.
Laut den Unterlagen gab es in jedem Programm, das vom SSD freigegeben wurde, eine Hintertür, durch die der Datenverkehrsbeauftragte Einsicht in jedes Gerät nehmen konnte. Diese Programme laufen inzwischen weltweit und sind feste Bestandteile der gängigsten Betriebssysteme und Surfutilities, die im Netz der Netze zum Einsatz kommen.
Auf die Rückfrage, was mit den Spezialisten der Staatssicherheit, die eigens zur Überwachung des Datenverkehrs eingesetzt wurden, erhielt ich keine Antwort. Stattdessen kam meine Mail mit dem Vermerk “undeliverable, check deine e-mail-adress” zurück. Drei Tage später erhielt ich die Nachricht vom tragischen Unfall, der meinem Verwandten zugestoßen ist und die Einladung zur Beerdigung meines Onkels. Ich werde diesen Artikel noch über E-Mail abschicken, dann mache ich mich auf den Weg. Mich würde wirklich interessieren, ob die alten Stasi-Computer in Lichtenberg noch stehen und ob sie zehn Jahre nach der Wende immer noch funktionieren. Vielleicht fahre ich auf dem Rückweg ja einen kleinen Umweg! khs
.
backwardshomewardsfinito