Kind, sieht da nicht hin!!!  
     
  Unter die Kategorie ”reaktioniärer Mist mit patriarchalischem, respektive monarchischem Charakter” fallen gleich eine ganze Reihe von Schundheftchen. Man möchte fast meinen, daß sich eine komplette Riege unterschiedlich talentierter Zeichner zur Aufgabe gesetzt hat, Propaganda für König, Reich und Ritterstand zu verbrechen. Sicherlich ist ”Prinz Eisenherz” ein gutes Comic, wenn man selber den Adel mit in die Wiege bekommen hat. Für manchen Altadel sind das dann ja auch gleich die glorreichen Geschichten der guten alten Zeit, lange vor der vierten Inzuchtgeneration und lange vor den ersten Paparazzis, denen man damals auch mal locker den Kopf abschlagen konnte, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Für unsere Väter war das Sigurd (ein ekliger Blondschopf), für unsere Generation eben Eisenherz mit seiner Mischpoke. Der tapfere Ritter mit Prinz Eisenyuppi, Laute statt Handy, Raubzug statt Aktienbesitzseinem rauchenden Peacemakerschwert, ständig auf dem Kreuzzug gegen revolutionäre Kräfte, Mauren oder unterprivilegierte Ritter des Kleinadels. Der restaurative Eisenherz hat alles, was das Herz begehrt, selbstverständlich eine schöne Frau, ziemlich artige Kinder und eine Konstitution, die einem ”Iron Man” des ausgehenden 20. Jahrhunderts zur Ehre gereichen würde. Und da es immer nur einen geben kann, verteidigt der edle Ritter sein und das Eigentum eines noch älteren Königs mit niederen Methoden. Hier gibt es keine Fragen, hier wird zuerst gehauen und dann verhandelt. Kerker sind grundsätzlich dreckige Löcher (Amnesty würde sich im Grab herumdrehen), Folter sind legitime Verhörmethoden (hier würde sich AI gerne auf dem Foltertisch umdrehen, wenn die Fesseln nicht so eng wären) und Artenschutz kümmert den Herrn Prinzen einen Dreck (immerhin erschlägt der Rüpel nicht nur einen unter Naturschutz stehenden Drachen). Und die Latte schlechter Eigenschaften gehen noch weit über Mord und Totschlag hinaus. Stehlen und zündeln, das kann dieser Herr Prinz, aber von einem Wahlzettel oder einer Minderheitsregierung wird hier nichts vermittelt. Nun gut, wenn Deine Kinder mit dem Küchenmesser in der Hand hinter der Katze durch die Wohnung rennen, dann weißt Du, daß da etwas falsch gelaufen ist, aber sag‘ nicht, daß Dich keiner gewarnt hätte. 
Nicht minder schlimm ist die arabische Variante, deren sultanatisches System auf einer Unterdrückung jedweder Oppositionsbewegungen basiert. Das angeführte Beispiel von einer ”sanften” Despotie (Harun) zu einer anderen ”härteren” (Isnogud) bietet keine wirkliche Alternative. Die tatsächliche Opposition der besitzlosen Klasse (Tunichgut) wird nicht nur totgeschwiegen (wenn das nicht funktioniert, dann unterdrückt) sondern auch noch lächerlich gemacht, indem man diese Klasse kurzerhand versklavt. Schlimmer geht’s eigentlich nimmer!
Nein, wir müssen nicht wirklich über solche ”Klassiker” wie den blöden Köter ”Bessy” reden, der zwar jedem Köter vom Hundeübungsplatz zum Vorbild gereicht, aber nicht wirklich einer modernen Züchtung mit kupierten Ohren und blütenreinem Stammbaum. Bessy ist quasi der antiquierte Prototyp eines Ludenhundes. Typen, die früher Bessy-Comics gelesen haben, laufen heute mit Pluderhosen und einem Kampfköter durch die Gegend, der zu 80% aus Maul und Zähnen besteht (der Rest ist Halsband und Darm).
Ein weiterer ”Klassiker”, den man nur als geschichtsverfälschende Weißwurstpropaganda betiteln kann (wenn man viel guten Willen aufbringt) ist selbstverständlich Silberpfeil. Nur Winnetou ist edler gewesen, aber da weiß man ja wenigstens, von wem es kommt. Silberpfeil ist der ”Landser” für Wildwestfreaks (in etwa vergleichbar mit einer russischen Übersetzung des Landsers und eben der Reservatspflichtlektüre für enteignete Rothäute).
Bleiben wir beim Western und amerikanischen Gepflogenheiten, landen wir automatisch bei Lucky Luke. Jahrelang durfte dieser geschlechtsneutrale Einzelgänger die Gefahren des Rauchens Asterix: Franzose, Junkie und Froschfresser! Fragen???verharmlosen, bis die Wissenschaft meinte, eindeutig beweisen zu können, daß die Glimmstengel zu akuten Krebserkrankungen und appen Beinen führen können. Immerhin zeigt Lucky Luke die Sinnlosigkeit eines noch so restriktiven Verwahrungs- und Strafvollzugssystems auf. Die überaus simpel gestalteten Bösewichter durchlaufen alle möglichen Varianten des Vollzuges, vom offenen Vollzug, bis zum Vollzug mit angegliederter Gefangenenausbeute in Form von Zwangsarbeit und werden trotzdem immer wieder rückfällig, weil Resozialisierungsmaßnahmen völlig fehlen. Hätten die Daltons und Billy the Kid einen Job angeboten bekommen, dann wäre Lucky Lucke mit Band 4 oder Band 5 beendet gewesen. Was lernen die Kinder daraus? Verbechen zahlt sich zwar nicht aus, wird aber auch nie richtig bestraft, man kommt rum und Cowboys kennen keine Toiletten!
Lustig ist das Agentenleben, das wußten wir schon lange vor den X-Akten und den Spaßgranaten Mulder und Scully. Clever & Smart hatten schon immer etwas zu lachen, viele Verkleidungen und sind so blöd, daß selbst der dümmste SEK-Bulle noch auf den Gedanken kommt, sich beim BND zu bewerben. In Wahrheit handelt es sich bei IM Clever & IM Smart um von eben diesem BND in Auftrag gegebene Straßenpropaganda, die mehr Nachwuchs in die Hände der westdeutschen Gummiohren getrieben hat als von der Stasi jemals abgeworben wurden. Irgendwie steckt auch der MAD, der CIA, FBI und der CI 5, A3, B5-versenkt dahinter! Haltet Eure Kinder davon fern, wenn ihr nicht wollt, daß sie über euch ihre Berichte schreiben.
In FIX & FOXI hießen Clever & Smart noch Flip und Flap, das war’s dann aber auch schon, was man zu dieser westdeutschen ”Rolf Kauka”-Version der Ducks von sich geben muß. Hier arbeitet keine Sau (wie bei den Ducks) und propagiert westdeutsches Kleinbürgertum, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, daß Fix & Foxi aus dem Hause Springer stammen. Einzig erheiternder Moment in der langen Geschichte dieses Langweilercomics ist ”Pauli” (ein Landei wie aus dem Bilderbuch). Ein warnendes Beispiel für die Folgen der Landflucht und den ernsten Integrationsproblemen in die hektische Welt der Großstadt. Wer aus dem Stuttgarter Raum kommt und jemals mit einem Hardcore-Älbler konfrontiert sah, der wird Pauli in Zukunft mit anderen Augen sehen!
 
     
 
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