Hooray, we are born again
 
Zwischen der Bildung von Hämorrhoiden und dem Auftreten von Zwangsesoterikern besteht meiner Ansicht nach ein für die Weltgesundheit bedeutender und nicht zu unterschätzender Zusammenhang. Nichts gegen harmlose Spinner, die mit Aststückchen durch die Pampas rennen, um am Ende eine Wasserleitung auszugraben, kein Wort, das einen Autor schmerzt, der mit seinem Buch über die Geheimnisse altindonesischen Tapentenkleisters lediglich ein paar ebenso harmlose Irre schröpft. Diese Spezies ist zwar charakteristisch für die 99% Schwachsinn, die unter der Rubrik "Esoterik" firmieren, aber sie tun wie bereits gesagt niemandem ernsthaft weh, weil ohnehin kein Mensch ernsthaft nach den Erkenntnissen lebt, 
Ein Bettler wandert in die Kiste und wird dort zum Edelmann!die von geprüften Esoterikern formuliert wurden. Dabei könnte man doch, wenn man streng nach diesen Regeln lebt, ein bewußteres und längeres Leben führen. Bewußter hieße, die alltäglichen Begebenheiten, die einen sowieso schon an den Rand der Verzweiflung treiben, noch deutlicher mitzubekommen und auch etwaige Schmerzgefühle zu verstärken. Wer, außer eingefleischten Masochisten (die sicherlich andere Lektüre haben als esoterische Bücher), will das schon? Der andere Rest der Menschheit verbringt die meiste Zeit damit, sich eben diese Schmerzen mit Hilfe von Drogen, Alkohol oder Selbstmord soweit wie nur möglich vom Hals zu schaffen. Wozu also "intensiver" und bewußter leben? Ich mutmaße stark, daß die meisten Esoapostel in Wahrheit selber heimliche Trinker, drogenabhängig, oder wenigstens gescheiterte Selsbtmordkandidaten sind und sich im übrigen einen Dreck um ihre eigenen Bücher scheren. Und wer will schon länger leben? Nur diejenigen, die  von einem längeren Leben am Ende auch nicht mehr zu erwarten hätten, als von dem kurzen, das sie derzeit führen.

Eine Gruppe allerdings sticht aus diesem großen Klumpen orientierungsloser, äußerlich völlig gesunder, ihre Einkäufe vom Rat eines Stapels Karten abhänig machender Leute (die Zehn der Kelche in Verbindung mit dem König der Spaten: es gibt Kartoffeln; die Dame der Dingenskirchen auf die Neun der Kelche: Rotwein bei Aldi 2.99) heraus: die Wiedergeborenen. 

Nun ist Wiedergeburt, Seelenwanderung und der ganze Klumpatsch keine einfache Sache, da kann nicht jeder so einfach daherkommen und sagen, "he Freunde, ich weile mal wieder kurz unter Euch, war früher schon mal da und da, kennen wir uns nicht von früher!?". Nein, so einfach geht das nicht, und es ist auch keine Spur witzig, sondern eine ernsthafte Angelegenheit, die sich einem nicht so einfach offenbart. Aber hat sie sich einem erstmal erschlossen, dann sind der multiplen Wiedergeburt keine Grenzen mehr gesetzt, dazu aber später mehr.Was war ich denn im nächsten Leben?
Grundregel Nr. 1 für jeden Recyclingmenschen: man "entdeckt" erst langsam, daß man bereits frühere Leben geführt hat, durch ein "Déjà Vu" oder sonst irgendein Schlüsselerlebnis. So sollte man wenigstens meinen, aber in der Regel verläuft dieser Vorgang doch völlig anders. Es gibt zwei Hauptwege, die zur Erkenntnis führen, daß vor Urzeiten schon ein Pärchen zu dämlich war, sich vorzusehen und rechtzeitig über Verhütung nachzudenken und man schon einmal auf diese Welt geschissen wurde. Entweder, und das ist der Haupteinstieg in die wunderbare Welt der Seelenmigration, Bekannte haben es auch und sind damit zufrieden, oder (nur kurz hinter der ersten Möglichkeit) ein namhafter Autor, der früher für namhafte Boulevardblätter die Gesellschaftskolumne geschrieben hat, bis er wegen unflätiger Vorwürfe gegen eine lokale Schickeriaschlampe aus der Redaktion entfernt wurde, hat gerade ein neues Buch zum Thema Seelenwanderung veröffentlicht und man hat die Talkrunde, in der er seinen Bestseller vorstellen durfte, zufällig im Vormittagsprogramm gesehen. Nein, nein, das Buch muß man nicht ganz lesen, der Klappentext reicht völlig aus!

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