31.12.1997

 
  Die wichtigsten Ereignisse 1997, die ich leider hier unterbringen muß, weil die ARD auf meine wiederholten Angebotsschreiben (41 Stück, um genau zu sein), diesen ganz persönlichen Jahresrückblick für ein kleines Entgeld in die nutzlose Sendezeit zwischen Weihnachten und Neujahr aufzunehmen nicht reagiert hat.  Wahrscheinlich war die blöde blonde geschiedene und unangeschnallte Bourgeosiemutter wichtiger als die Ereignisse, die die kleinen Leute wirklich bewegen! Man muß sich nur mal vorstellen, daß die mit diesem häßlichen Grottenolm (der mit den abstehenden Ohren und der Gnubbelnase mitten im Gesicht) ganz am Anfang ihrer Ehe auch noch geschlechtlichen Verkehr hatte. Igitt, da wird mir doch gleich schlecht. Mal im Ernst, nur weil das blonde Schneewittchen sich seinerzeit einen Typen geangelt hat, der von Beruf Thronfolger (kurz danach Abdanker) ist und einen Haufen Zinnomobilien nebst Kleingeld hat, deswegen wird die ja nicht gleich automatisch „weltbewegend“. Nur wegen dem Bankkonto muß man den Typ doch nicht erst heiraten und sich dann später ekeln. Da ekelt man sich doch gleich! Und lecker sah die Torte auch nicht aus, jedenfalls nicht wirklich! Hnchach, Schulz jetzt. Die Sachen, die mich 1997 wirklich bewegt haben: Die Anschaffung einer Spülmaschine. Nie wieder rauhe Hände, nie wieder Unterteller beim Spülen ganz langsam versenken. Die Viecher: Evchen, Madonna, Milva. Die Katze kommt, bleibt, die Hamster gehen. Mein Nachbar hat seine vierte CD bekommen. Er besitzt jetzt folgende Tonträger: Kelly Family „Over the Hump“, Die Toten Hosen: „Bis zum bitteren Ende live“, Einen Techo-Sampler (nur zweimal gehört, einmal davon war er nicht einmal zuhause, aber die CD hat tapfer acht Stunden lang auf ihn gewartet, sie hat einen Kratzer) und ganz neu: Sheik Achmed und seine Kamelschänder oder so (ich kenn die Band nicht, ist auf jeden Fall Muezzin-Gejaule mit Tekkno-Beat, grauenhaft). Und als 5. Tonträger möchte ich nicht das Weihnachtsvideo der irisch-kölnischen Inzuchtfamilie unterschlagen. Seine Hörkraft hat in den letzten zwölf Monaten um mindestens 50% abgenommen, was mich nicht wundert, wo er doch immer so laut Musik hört, daß die ganze Straße daran teilhaben darf. Selbst die Band, die im einzigen Luftschutzkeller zwei Häuser weiter probt, hat sich schon beschwert. Naja, hört er schlechter, macht er eben noch lauter. Da sein Musikzimmer genau unter meinem liegt, warte ich nur auf den Tag, daß ihm mal die ganzen Schallplatten auf den Kopf fallen, wenn die Tragfähigkeit der Decke wieder mal unter den Vibrationen des Muselmanenbeats leidet. Oh, und er hat eine Freundin, die ihn locker unter den Tisch säuft. Wenn’s ruhig ist, dann saufen sie, wenn’s laut ist, dann zappen wir durch das Musikprogramm und wenn es weniger laut ist, dann wird gezankt, dufte. Hab ich schon gesagt, daß ich eine andere Wohnung suche? Kommt dann 1998! Neuer Fernseher. Klasse Markengerät, hielt genau 1 ½ Stunden, dann war Schicht. Leider war’s ein „Grauimport“ (obwohl, ein Farbfernseher war’s schon), keine Garantie, kein Umtausch, Sondermüll! Dieter Bohlen schlägt Verona Feldmaus. Ok, Dieter ist ein ziemlicher Schleimsack und hart an der Kotzgrenze, aber macht man sowas? Nachdem das dämliche Kichermaul jetzt auf Ero-hihihi-tik-hihihi macht, kann ich das noch viel weniger verstehen. Als richtiger Macho hätte er sie gleich erschießen müssen, ich bin enttäuscht. Aber, obwohl, sagen darf man ja sowas nicht, dann denk ich’s mir eben. 

Park-Haus
Das in der ADR-Fernsehlotterie gewonnene "ruhige Haus in idyllischer Lage" erwies sich als riesengrosser Schwindel. Die Hütte mit seinen insgesamt 10,5m² war eine umgebaute ehemalige Bedürfnisanstalt, mitten im Stadtpark gelegen und hatte weder Strom noch Kabelanschluss, ausserdem war der Radioempfang hundsmiserabel. Dafür gab es zwei Toiletten, drei Urinale und mehr fliessend Wasser aus den undichten Rohren als es gesund gewesen wäre. Rotkäppchen schwor sich, beim nächsten Loskauf etwas genauer hinzusehen.

Suicidal-Tamagotcha: Erst hab ich ihn zum Krüppel erzogen (alle zwei Stunden verprügelt, statt was zu essen) und dann, kurz bevor er sterben wollte, mit dem großen 2-Kilo-Hammer exkommuniziert. Sind ja nicht einmal richtige Viecher, sonst wär’ der Herzschrittmacher meines Großvaters ja auch ein Lebewesen. Gewichtszunahme: Kein Kommentar! Ferien in Lummerland. Ein heiteres, bisweilen kühles Unterfangen unter lauter Leuten, die ich nicht verstehe. Ihrerseits verstehen sie übrigens fast alles. Naja, fast. Im Urlaub mehr geschuftet als bei der Arbeit, trotzdem erholt. Dort habe ich mir übrigens endlich das zu Herzen genommen, was dieser neudeutsche Anschlußgewinnler in irgendeinem Leserbrief von sich gegeben hat. Ich habe eine Schaufel in der Hand gehabt. Zweifelsohne bin ich nun ein besserer Mensch geworden, weil ich hatte ja jetzt eine Schaufel in der Hand. Ist der „Held der Arbeit“ nun zufrieden, wahrscheinlich nicht, denn das wird er nie sein! Geh doch nach weiter drüben, Du Arbeiter! Lieblingspflanze: In der Blüte ihrer Jahre verstarb das gute Ding. Es gab eine Feuerbestattung in Raten. Schule. Anne schafft eeeeendlich ihre Prüfung, damit bin ich nicht mehr alleinverantwortlicher Penunzenheranträger und auch Ausgeber in dieser Haushaltung. Trotzdem geht nicht mehr in den Kühlschrank hinein, verdammt. Furthermore, allenthalben gab es jede Menge Rezessionsschick (vor der RR: Rezessionschic), kaum eine wirklich grandiose Band und nur wenige wirklich nennenswerte Tonträger! Fernsehen: Die Mattscheibe macht ... ja was? Pause, aufatmen. Reality-TV. Was keiner mehr zu glauben wagte: Ende 1997 beginnt die neue Staffel der Fussbroichs, das ist Entertainment, das ist Kult. 1998 kann kommen. Und Ihr, seid ruhig schon mal vorab betroffen, man weiß ja nie! 
 
 
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