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Spritzerstäuber  -2-

 Vergaser einstellen

Ohne ein bisschen Schrauberei kommt man bei einem Ultraleicht nicht über die Runden. Und der Vergaser gehört mit Sicherheit dazu. Selbst mit wenig Technikkunde kann man das Grundlegende selbst erledigen. Ein Schraubenzieher reicht dazu aus.

Standgas

Motoren im Stand, also ohne Leistung abgeben zu müssen, sollten ruhig und mit wenig Benzinverbrauch vor sich hinbrummen. Bei Einzylindern ist das eher ein Schütteln und selbst Zweizylinder vibrieren noch gehörig. Im Gegensatz zu Motorradmotoren liegt die Drehzahl bei den Ultraleichten um einiges höher. Bei sonst normalen 800 - 1000 rpm würde der UL-Motor viel zu unrund laufen. Das liegt v. a. am Propeller, denn der will mit einiger Power in Schwung gehalten werden. Und im Leerlauf ist die Leistungsabgabe des Motors dazu viel zu gering. Ein Motorradmotor braucht  sich im Leerlauf ja nur selbst in Schwung zu halten. Also muss die Leerlaufdrehzahl um 2000 - 2400 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute liegen.

Am Bing-Vergaser - und dieser wird hier exemplarisch vorgestellt, denn er ist in den meisten Fußstart-UL verbaut - ist hier die große Schraube maßgebend. Dreht man sie nach rechts, erhöht sich die Leerlaufdrehzahl, links gedreht verringert sie sich. Aber Vorsicht beim Einstellen! Ein Helfer sollte immer das Gerät gegen Vorwärtsrollen zusätzlich sichern. Wer mit dem Propeller Bekanntschaft macht, braucht mindestens einen Arzt.

Mit Schraube 1  wird das Standgas reguliert; mit Schraube 2 das Leerlauf-Gemisch.  Vorsicht beim Einstellen! Der laufende Propeller bedeutet Lebensgefahr. Wer nicht beim Schrauben den Motor abstellt, sollte bei laufendem Triebwerk durch einen Helfer das Wegrollen oder unbeabsichtigtes Gasgeben sichern.

Leerlauf-Gemisch

Mit der kleineren, in der Vertiefung sitzenden Schraube, wird das Leerlaufgemisch geregelt. Dreht man die Schraube heraus, bekommt der Motor mehr Luft als Benzin, sprich das Luft- Kraftstoffgemisch wird magerer. Hineindrehen hingegen führt zu einem fetteren Gemisch. Als Anhaltspunkt kann man etwa 2 Schraubenumdrehungen heraus von eingedrehten Punkt aus ansetzen.

Hauptdüse

Für PPL-Flieger gehört die Gemischregulierung während des Fluges zum Alltag. In 3000 m Höhe ist die Luft schon merklich dünner. Der Motor bekommt damit weniger Sauerstoff pro "Atemzug". Die Folge wäre ein zu hoher Kraftstoffanteil. Der Motor läuft ob des zu fetten Gemisches unrund, verliert deutlich an Leistung.

So hoch fliegen wir mit dem UL wohl selten. Trotzdem macht es schon einen bemerkenswerten Unterschied aus, ab man in der Norddeutschen Tiefebene oder im Bergland startet. Ein weiterer Faktor ist die Lufttemperatur. Warme Luft dehnt sich bekanntlich aus. Also ist in einem "Atemzug" 30 Grad warmer Luft absolut weniger Sauerstoff enthalten als in kalter, trockener Winterluft. Wen wundert es da, dass im Sommer der Motor in 2000 m Meereshöhe bei Vollgas nicht mehr ordentlich zieht?

Hier hilft der Tausch der Hauptdüse. Dazu muss man den Schwimmerdeckel abnehmen und mit einem Gabelschlüssel die goldgelbe (Messing!) Schraube herausdrehen. Die Hauptdüse wird dann gegen eine kleinere (z. B. 150 gegen 155) ersetzt. Jetzt kann weniger Sprit durch. Der Motor läuft magerer.

Vorsicht! Nicht vergessen, bei kälterem Wetter und/oder niederen Flughöhen die kleinere Hauptdüse wieder gegen eine größere ersetzten. Denn läuft der Motor zu mager, überhitzt er schnell. Das führt in den meisten Fällen zu Kolbenfressern oder einem Loch im Kolbenboden. Bei zu großer Hitze dehnt sich das Material so stark aus, dass der Kolben (Kolbenringe) nicht mehr in den Zylinder "passt" und einfach festsitzt. Ein kapitaler Motorschaden ist die Folge.

Im Foto eine Hauptdüse mit der Größe 165. Bei Solomotoren werden Düsen im Bereich 155/150 verwendet. Die 165 eignet sich beim Hirth F 33  - im Winter oder am Strand.

Vergasernadel

Etwas mehr Aufwand fordert die Veränderung der Vergasernadel.

 Dieser konische Metallstift ragt ja (s. Teil 1) in die Hauptdüse und "verstopft" sie nahezu. Beim Gasgeben wird sie herausgezogen und nun kann Benzin durch. Wird die Nadel um eine Kerbe tiefer gehängt, öffnet bei gleicher Gasstellung der Lufteintritt zwar weiter, es kommt aber weniger Sprit durch. Also läuft der Motor insgesamt magerer. 

Die Veränderung ist eine Fummelei, da das Ganze unter Federspannung wieder eingebaut werden muss, es sei denn man kann den Gaszug aushängen.

Vorsicht! Kontrollieren Sie das Kerzenbild! Läuft der Motor zu mager - Kerzenbild sehr hell - kann es schnell zu Kolbenfressern kommen. In aller Regel ist die vom Werk eingestellte Höhe der Vergasernadel (Kerbe 2) die richtige.

Vergasereinstellen ist eine diffizile Sache. Wer technisch schlecht drauf ist, sollte am besten die Finger davon lassen. Eine falsche Einstellung zerstört schnell den Motor, zumindest aber erhöht es den Verschleiß.